In der relativ kleinen Republik Lettland gibt es derzeit 77 Städte. Die lettischen Städte haben über die Jahrhunderte einige Wandel durchlebt. Einige von ihnen, wie Straupe, Rauna und Koknese haben ihre ehemalige Pracht und ihren Status verloren, und die Stadt Daugavpils hat sogar ihren Standort gewechselt. Früher haben sich die lettischen Städte entlang der Handels- und Verkehrswege entwickelt, während heutzutage eher das produzierende Gewerbe von Bedeutung ist (Olaine, Aizkraukle). Einige alte Städte wurden von ihren schneller wachsenden Nachbarorten vereinnahmt, so ist zum Beispiel Gostiņi in Pļaviņas, Krustpils in Jēkabpils und Grīva in Daugavpils eingemeindet worden.
So wie im restlichen Nordeuropa auch, begann die Entwicklung der lettischen Städte zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert. Während dieser Zeit entstanden große Siedlungen, insbesondere in bedeutenden Landwirtschafts- und Handelszentren, sehr oft auch in der Nähe von Häfen. Diese Siedlungen gelten als Lettlands erste Städte, einige von ihnen schlossen Gebiete bis 15 Hektar ein (z.B. Daugmale, Jersika und Mežotne). Die Entwicklung dieser Städte wurde durch die Invasion der Kreuzritter im 13. Jahrhundert abgebrochen, mit der neue politische und soziale Organisationen, sowie eine neue Kultur eingeführt wurde.
Im 13. Jahrhundert wurde auch Rīga, die älteste noch existierende Stadt gegründet. Sie erlangte im Jahr 1201 den Status einer Stadt. Im Mittelalter erlangten 11 lettische Siedlungen den Status einer Stadt, davon waren 8 auch Mitglied der bedeutenden Nordeuropäischen Handelsorganisation Hanse. In den darauffolgenden Jahrhunderten bis zum Jahr 1918 wurden 24 weitere Städte gegründet. Diese Periode war durch zahlreiche Kriege und Machtwechsel gekenntzeichnet. Mit der Gründung der Republik Lettland hat sich die Anzahl der Städte verdoppelt. In den darauffolgenden 20 Jahren erlangten 30 Orte den Stadtstatus. Während der 50jährigen Annexion der UdSSR kamen nur 4 weitere Städte hinzu. Jedoch nach der Wiedererlangung der Unhabhängigkeit Lettlands wurde der Status als Stadt weiteren 21 Ortschaften gewährt.
Gemäß der 1991 verabschiedeten Gesetzgebung hat heutzutage jede lettische Stadt ihre eigene Regierung. Die lettischen Städte werden in ihrem Status noch einmal unterschieden, so gibt es 7 Städte der Republik (Rīga, Daugavpils, Liepāja, Jelgava, Ventspils, Jūrmala und Rēzekne), und die regionalen Städte.
Einwohner und WirtschaftMit 1.675.000 Einwohner (etwa 68%) lebt der größere Teil der lettischen Bevölkerung heutzutage in städtischen Gebieten. Die lettischen Städte unterscheiden sich sehr in ihrer Größe. Die Bevölkerungszahl von 21 Städten beträgt mehr als 10.000, die größten Städte sind Rīga (815.800), Daugavpils (117.500) und Liepāja (96.270). Die kleinsten Städte sind Durbe (460), Subate (1019) und Piltene (1226).
Die größten und bekanntesten Betriebe des Landes, wie “Aldaris”, “Laima” und andere befinden sich in den Städten. Lettlands größte produzierende Zentren sind Rīga, Ventspils und Daugavpils. Es gibt 3 bedeutende Häfen in Lettland, diese befinden sich in Rīga, Ventspils und Liepāja. Durch diese Häfen wird der lettische Export und Import verschoben, ebenso wie ein großer Anteil des russischen Transits.
Das kulturelle Leben in den lettischen StädtenRīga, die Hauptstadt Lettlands wurde in den vorangegangenen Jahrhunderten von vielen Politikern und Monarchen besucht. Ebenso kamen viele berühmte Wissenschaftler und Künstler, wie der Philosoph Johann Gottfried Herder oder der Komponist Richard Wagner. Professionelle Theater gibt es heute in Rīga, Liepāja, Valmiera und Daugavpils. Jede Stadt hat ein Museum, in Rīga sind es sogar mehr als 50 Stück, darunter auch das älteste Museum des Baltikums, das 1773 gegründete Geschichts-und Schifffahrtsmuseum.
In Rīga finden regelmäßig international viel beachtete Festivals statt, wie z.B. das Filmfestival “Arsenals”, das mittelalterliche Musik-Festival und das Balletfestival. Ein Gesangs- und Tanzfestival, an dem lettische Chöre und Volkstanzgruppen teilnehmen und welches alle 4 Jahre stattfindet ist im skandinavischen Raum sehr bekannt. Jūrmala, der beliebteste Ferienort Lettlands ist für seine Wellness-Ressorts, die langsam ihren alten Status wiedererlangen bekannt.
Das Kulturerbe der lettischen StädteObwohl es architektonische Ähnlichkeiten unter den lettischen Städten gibt, hat jede einzelne ihren einzigartigen Charme. Die archäologischen Denkmäler einiger Städte bezeugen den einstigen Stellenwert, den diese Städte inne hatten. Majestätische und reizvolle Burghügel sieht man in Limbaži, Alūksne und Saldus und in Grobiņa kann man einen einzigartigen skandinavischen Friedhof und Burghügel aus dem 7. Jahrhundert bewundern. Während des Mittelalters wurde das Maurern in die lettische Architektur eingeführt. Das erste aus Stein gemauerte Gebäude Lettlands war 1185 die Ikšķile Kirche, die noch heute auf einer kleinen Insel in der Daugava steht. Das wichtigste Element der Stadt im Mittelalter war das Schloss des Adels. Viele lettische Städte hatten im Mittelalter Steinschlösser, die einzigen erhaltenen und rekonstruierten Beispiele stehen in Rīga und Jēkabpils. Laufende Renovierungen von Schlössern des Mittelalters finden in Cēsis, Turaida und Bauska statt. Kleinere Ruinen befinden sich in Dobele, Limbaži, Valmiera, Rēzekne und Ludza.
Das eindrucksvollste barocke Schloss steht in Jelgava, entworfen und erbaut von Rastrelli. Die um die 200 Jugendstilbauwerke in Rīga sind für die Architektur dieses Jahrhunderts außergewöhnlich wichtig und es gibt triftige Gründe, warum man Rīga die Welthauptstadt des Jugendstils nennen könnte.
Die Bauten der letzten 100 bis 200 Jahre in den lettischen Städten blieben meist erhalten, ebenso wie Kirchen, deren Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen. Arbeiten von berühmten Künstlern schmücken die lettischen Kirchen, wie z.B. das Altargemälde in der Heiligen Dreifaltigkeitskirche in Liepāja von J. K. Dorn aus Königsberg (gemalt von 1742 – 1758). Die Architektur der lettischen Kleinstädte ist einmalig schön, bestehend aus ein- oder zweistöckigen Gebäuden, sowjetischen Appartement-Blöcken und den Stadtzentren. Mehr als 20 Stadtzentren werden vom Gesetz als lettisches Nationalerbe geschützt und der historische Stadtkern Rīgas ist 1997 in die UNESCO – Liste als Weltkulturerbe aufgenommen worden
Rīga – Die HauptstadtRīga, die älteste Stadt Lettlands, hat sich seit dem Mittelalter zu einem wichtigen wirtschaftlichen, politischen und kurlturellem Zentrum entwickelt. Mit der Bildung der unabhängigen Republik Lettland im Jahr 1918 wurde Rīga deren Haupstadt. Annähernd die Hälfte der lettischen Bevölkerung lebt heute in Rīga, genauso wie hier die größten Betriebe des Landes, die Zentralregierung und Verwaltungen ansässig sind. Unter den 50 Museen, die man in Rīga besuchen kann, gehören das Geschichts- und Schifffahrtsmuseum, das Museum der Naturwissenschaften, das Museum der Lettischen Geschichte, die nationale Kunstakademie und das Lettische Ethnographische Open-Air Museum zu den ältesten und größten. Die Nationaloper sowie die berühmtesten Theater befinden sich ebenfalls in Rīga.
Rīgas 800-jährige Geschichte hat ihre Spuren am Erscheinungsbild der Stadt hinterlassen, mittelalterliche Häuser und Kirchentürme stehen neben Jugendstil und eklektischer Architektur. Die Boulevardzone mit den vielen Parks, die direkt an die Altstadt angrenzt und die Holzhäuser im Pārdaugava-Bereich (links der Daugava) strahlen einen besonderen Charme aus. Die Aufnahme der Altstadt Rīgas auf die Liste des Weltkultur- und Weltnaturerbes der UNESCO bekräftigt den Wert von Rīgas kultureller und historischer Bedeutung.
Ventspils – der Hafen in der OstseeVentspils ist eine der ältesten Städte Lettlands, erstmals wurde die Stadt in Schriften aus dem Jahr 1378 erwähnt. Schon in ihren ersten Jahren war Ventspils genauso wie heute eine Hafenstadt. Es ist einer der wichtigsten Häfen Lettlands mit einem sehr großen Schifffahrts-Transit. 1996 erhielt Ventspils den Status eines Freihafens und 1997 wurde die Universität Ventspils mit Fachbereichen für Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Sprachen, gegründet. Der alte Stadtkern mit seinem Mittelalter-Schloss und romanischen Kleinstadthäusern wurde einer Renovierung unterzogen und komplettiert die dynamische Stadt, die Ventspils heute ist.
Alūksne – die Perle des nördlichen VidzemeAlūksne ist mit 200 Meter über dem Meeresspiegel geografisch die höchst gelegene Stadt in Lettland. Archäologische Funde im Siedlungsgebiet der Insel Cepurīte im Alūksne-See bezeugen, dass diese Gegend schon der Steinzeit besiedelt war. Die ersten Erwähnungen über Alūksne finden sich in historischen Schriften von 1285, aber den Stadtstatus erhielt der Ort erst im Jahr 1920. Der lettgallische Tempelhügel, die livischen Schlossruinen, das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert und auch das Neue Schloss (Jaunā Pils) sind Zeugnisse der jahrhundertealten Geschichte von Alūksne. Die Schlossgärten sind berühmt für ihren künstlerischen Wert. Der Pfarrer Ernest Glück, der als erstes die Bibel ins Lettische übersetzte, lebte und arbeitete in Alūksne. Eichen, die er vor 300 Jahren neben der Kirche gepflanzt hat, stehen noch heute da und das Ernest Glück Bibel Museum, das einzige seiner Art in Europa, befindet sich ganz in der Nähe.
Sabile – die "Schweiz" im Herzen von KurzemeSabile befindet sich im alten Flusstals des Abava. Wegen seiner landschaftlich reizvollen Schönheit wird Sabile auch die “Schweiz” Kurzemes genannt. Die Tatsache, dass das alte Flusstal in die UNESCO-Liste der 100 einzigartigsten und gefährdetsten Plätze in der Welt aufgenommen wurde, bezeugt diesen Stellenwert.
Sabile ist um ein Schloss des livischen Ordens im 14. Jahrhundert entstanden, den Status einer Stadt wurde dem Ort aber erst 1917 gewährt. Weinberge, die während des Mittelalters in Sabile kultiviert wurden, sind heutzutage erneuert worden. Diese Wenberge (Sabiles Vīnakalns) sind im Guinessbuch der Rekorde als die nördlichsten Weinberge der Welt aufgeführt (Sabile befindet sich auf dem 57. Breitengrad).
Im Pedvāle Open-Air Museum, in der Nähe von Sabile, befinden sich Moderne Kunst Installationen, die organisch in der Schönheit der umgebenden natürlichen Kulisse verbunden sind. © Text: Dr. Andris Šnē, Die Staatsinspektion für den Kulturdenkmalschutz, 1999 © Das Lettland-Institut Dieser Text wurde vom Lettland-Institut veröffentlicht. Er darf nur mit Zustimmung des Lettland-Institutes verwendet werden (außer zu lesen, von der Website vom Lettland-Institut zu drucken und zu zitieren). Das Lettland-Institut ist eine staatliche Einrichtung zur Verbreitung von Informationen über Lettland im Ausland. Es gibt Publikationen über Lettland in verschiedenen Sprachen heraus.
|