Wer einmal Lettland besucht hat, dem werden die 800 Jahre alte Hauptstadt Riga am Ufer des Flusses Daugava, die weißen Sandstrände, die grünen Wälder und die vielen von der Zivilisation noch unberührten Flüsse und Seen unvergesslich bleiben. Lettland ist ein schönes, grünes Land, mit frischer Luft, klarem Wasser und reinem Boden. Viele ausländische Touristen, sowie Umweltfachleute sagen, dass Lettland ein einziger großer Naturpark sei.
Einige Umweltdaten zu Lettland:
- die Gesamtfläche beträgt 64.600 km2;
- 2.256 Seen, größer als 1 ha, mit einer Gesamtfläche von 1000 km2;
- 12.400 Flüsse mit einer Gesamtlänge von 38.000 km. Nur 35% der Flüsse sind teilweise oder völlig begradigt;
- der Fluss Salaca (Länge 95 km, Entwässerungsgebiet 3.420 km2) ist der größte Laichplatz für Lachse im östlichen Baltikum. Die Wasserqualität der Flüsse Salaca und Venta (Länge 346 km, Entwässerungsgebiet 17.600 km2) entsprach 1998 den Ansprüchen von hochwertigen lachsartigen Fischen;
- die Wasserqualität in der Daugava (Länge 1.005 km, Zusammenflussbecken 87.900 km2) und in der Lielupe entsprach 1998 den Ansprüchen von hochwertigen karpfenartigen Fischen;
- 39% vom Territorium Lettlands sind landwirtschaftlich bearbeitete Flächen. In den letzten zehn Jahren, seit der Abschaffung der Kolchosen verringerte sich deutlich der Anteil der intensiven Landwirtschaft – es gibt hauptsächlich Kleinhöfe;
- für Lettland ist eine Mosaiklandschaft charakteristisch – große Wälder wechseln sich mit bearbeiteten Feldern, Einzelhöfen und Viehweiden ab. Inmitten bearbeiteter Felder stehen Birkenhaine und andere Baumgruppen, die vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten;
- Seit 1990 hat sich der Verbrauch von Mineraldüngern auf ein Zwölftel verringert und erreicht nun die Menge von 22-34 kg/ha, der Verbrauch von Pestiziden hat sich auf ein Zehntel verringert (0,018 kg/ha);
- die Schwermetallbelastung im Boden und in Lebensmitteln überschreitet nicht die zugelassenen Normen. Die Quecksilberbelastung ist zum Beispiel zu gering, um deren Konzentration zu bestimmen;
- ungefähr 200 Höfe beschäftigen sich zur Zeit mit biologischer Landwirtschaft (sie verwenden keine Mineraldünger und Pestizide) und bestellen insgesammt 2.750 ha Land;
- 44,1% von Lettlands Territorium sind von Waldflächen bedeckt (im Vergleich dazu - "das Land der Wälder" Schweden hat 54% Wald, Finnland 59%, Kanada 27%, Dänemark 10%, China 10%, Großbritannien 8%). Ungefähr die Hälfte der Wälder befinden sich auf trockenem Mineralboden, ca. 1/4 der Gesamtfläche sind Feuchtwälder, die im Großteil Europas fast vernichtet sind;
- Die Gesamtfläche der Moore beträgt in Lettland 9,9%. Davon sind 42% Hochmoore mit Moos, 49% Tiefmoore mit Gras, 9% Übergangsmoore. 70% der Moorfläche sind von Menschenhand fast unberührt und bieten vielen seltenen Pflanzen und Tierarten Unterschlupf;
- In Lettland sind in etwa 27.700 Tier- und Pflanzenarten registriert;
- Für viele in Europa und auf der Welt bedrohte Tierarten bildet die Population in Lettland einen bedeutenden Anteil der Gesamtzahl. Dazu gehören der Schwarzstorch (Ciconia nigra), der Wachtelkönig (Crex crex), der Schreiadler (Aquila pomarina), der Weißrückenspecht (Picoides leucotos), der Kranich (Grus grus), der Biber (Castor fiber), der Fischotter (Lutra lutra), der Wolf (Canis lupus) und der Luchs (Felis lynx);
- In Lettland befinden sich große Fledermauskolonien von verschiedenen Arten, sowie auch deren Überwinterungsplätze;
- Seit 1990 hat sich die Gesamtmenge der luftverschmutzenden Stoffe aus stationären Quellen (Fabriken und Kesselhäusern) um 46% verringert;
- Die Gesamtabwassermenge hat sich seit 1990 um 44% verringert;
- In Lettland gibt es 477 mechanische, 956 biologische und 6 chemische Abwasserkläranlagen. Seit 1995 wird ein staatliches Programm "Die Wasserversorgung und die Reinigung von Abwässern in Lettlands Kleinstädten" realisiert;
- In Lettland gibt es keine Kernkraftwerke;
- Die Gesamtinvestitionen für die Umwelt in Lettland stammen aus dem Staatshaushalt, aus Regionalverwaltungen, von verschiedenen Organisationen sowie Privatspenden. Die Umweltprojekte Lettlands werden von der Weltbank, NEFCO, der Europäischen Investitionsbank, der Europäischen Bank für Rekonstruktion und Entwicklung, dem EU PHARE Programm sowie von verschiedenen Staaten wie Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen, Deutschland, den USA, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz unterstützt;
- Die größten Umweltinvestitionen werden für die Entwicklung der Wasserwirtschaft, und die Abfallverwertung, sowie für den Naturschutz, die Strahlungssicherheit, Energiesparprogramme und für die regionale Entwicklung verwendet.
- Die Landschaft Lettlands unterscheidet sich vom afrikanischen Dschungel, dem Gebirge Nepals oder den australischen Wüsten; ihre Schönheit ergibt sich mehr aus dem Detail als aus Extremen. Es ist das richtige Reiseziel für Touristen, die:
- sich an Vogelgesängen, blühenden Wiesen, Wildtieren in freier Natur und einem Storchennest auf dem Hausdach erfreuen oder beim Angeln die Wasservögel und Libellentänze beobachten wollen;
- gerne im Mondschein die Flügelschläge der Fledermäuse oder den Eulenschrei erleben wollen;
- sich an Jagdausflügen und Pilze- und Beerensammeln beteiligen oder einfach im Wald spazieren gehen wollen
In den staatlichen Wäldern Lettlands (ca. die Hälfte der Gesamtfläche) und in einem Großteil der anderen Wälder kann man frei spazierengehen, aber auch Beeren und Pilze sammeln. Fast alle Wege und Landstraßen sind befahrbar. Zum Angeln muss man eine Angelkarte besitzen, die gegen eine geringe Summe zu erwerben ist, zum Jagen muss eine Lizenz für jedes Jagdwild erworben werden. Viele Bauernhöfe werden Sie mit Freude aufnehmen. Doch wenn Sie erlebnissfreudiger sind, können Sie auf vielen speziell eingerichteten Plätzen an Flüssen und Seen Ihr Zelt aufstellen und ein Lagerfeuer entfachen. Lettland hat alte Umweltschutztraditionen – die ersten Bestimmungen und Gesetze über die Waldverwendung wurden im 16. und 17. Jahrhundert erlassen. Seit dieser Zeit werden in der Forstwirtschaft Schutz und Pflegeprinzipien, entsprechend dem Wissen über den Umweltschutz, sowie Jagdeinschränkungen beachtet. Im 19. Jahrhundert gab es Bemühungen zur Befestigung der Dünenzonen an der Ostsee und der Rigaer Bucht. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der kulturhistorische und natürliche Wert vieler Waldflächen erkannt und unter Schutz gestellt. Das erste Naturschutzgebiet in Moricsala (im Usma See) wurde schon 1912 gegründet. Zur Zeit gibt es in Lettland vier Naturschutzgebiete, drei Nationalparks mit Reservaten und Schutzzonen, ein Biosphärenreservat, 211 Naturschonungsterritorien, 22 Naturparks und 6 Landschaftsschutzgebiete. In den Wäldern sind viele Mikroschutzzonen eingerichtet, zum Schutz von seltenen Tieren (hauptsächlich Vögel), Pflanzen, Flechten und Pilzen. Das Rote Buch Lettlands wurde 1977 gegründet und anfangs waren dort 112 Pflanzen und 119 Tierarten registriert, doch diese Listen werden regelmäßig überarbeitet und ergänzt. Lettland hat die internationalen Washingtoner, Berner und Ramsarer Konventionen ratifiziert.
Auf den Umweltschutz wird noch immer großer Wert gelegt, und dies, sowie eine Reihe von glücklichen Umständen, hat zu guten Resultaten geführt – Lettland ist international als ein Land bekannt, in dem die Vielfalt der Natur beachtlich größer ist, als in einem Großteil der anderen europäischen Länder. Hier gibt es natürlich belassene Flüsse und Seen inmitten von Wäldern und Wiesen, reine abgelegene Sandstrände, wo man kilometerweit gehen kann, ohne jemandem zu begegnen, oder auf Spuren von Menschen zu stoßen. Eines der größten Werte der Natur Lettlands sind die natürlichen, von Menschen unberührten Wälder – mehr als 200 Jahre alte Fichten, Schwarzerlensümpfe, Eichen-, Linden- und Eschenwälder. Schattige Wälder in Böschungen und an Abhängen, in denen viele seltene Tier- und Pflanzenarten Zuflucht gefunden haben – der Schwarzstorch (Ciconia nigra), der Schrei-, Schell-, See- un Steinadler, der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus), viele seltene Flechtenarten, Moose, Insekten, Schnecken und vieles andere mehr.
Es ist erfreulich, dass viele Pflanzen- und Tierarten in Lettland noch häufig anzutreffen sind, die anderswo in Europa unter Schutz stehen oder aus verschiedenen Gründen, wie z.B. intensive Landwirtschaft und Umweltverschmutzung selten sind. Abends hört man im nahegelegenen Teich Froschchöre, der Igel ist kein seltener Gast im Garten, auf dem Feld kann man den Gesang des Wachtelkönigs lauschen. Ein Storchennest auf einem Pfahl, einem alten Schornstein oder im Gipfel eines toten Baumes sieht man fast bei jedem dritten Bauernhof, was auch von der Umweltqualität in Lettland zeugt. Das alles scheint in Lettland selbstverständlich zu sein, doch auch diese Tierarten stehen in Europa auf der Liste der besonders bedrohten Arten.
Weiter >> Das Pflanzen- und Tierreich Lettlands © Text: Jolanta Bāra, Die Naturschutzverwaltung Lettlands, 2002 © Das Lettland-Institut Dieser Text wurde vom Lettland-Institut veröffentlicht. Er darf nur mit Zustimmung des Lettland-Institutes verwendet werden (außer zu lesen, von der Website vom Lettland-Institut zu drucken und zu zitieren). Das Lettland-Institut ist eine staatliche Einrichtung zur Verbreitung von Informationen über Lettland im Ausland. Es gibt Publikationen über Lettland in verschiedenen Sprachen heraus.
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