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Das Pflanzen- und Tierreich Lettlands Drucken E-Mail

Dieser relativ große Vertreter der Süßwassermuschel (ausgewachsene Muscheln sind etwa 10cm lang) ist der einzige Moluskus in Lettland, der Perlen bilden kann. Im 16. bis 18. Jahrhundert wurden Schwedens und Russlands Königshöfe mit hochwertigen Perlen aus Lettlands Flüssen versorgt.

Die intensive Perlgewinnung in der Vergangenheit und die Wasserverschmutzung in der Gegenwart hat dazu geführt, dass die Flussperlmuschel nun eine aussterbende Tierart ist, die nicht nur in Lettland, sondern im ganzen Verbreitungsgebiet immer seltener wird.

Die Flußperlmuschel hat verhältnissmäßig hohe Ansprüche an ihre Umgebung – sie lebt in kleinen Bächen mit nährstoffarmem (oligotrofem), kaltem und schnellfließendem Wasser und sandigem Grund, der nicht von Schlamm und Algen bedeckt ist – gewöhnlich sind das Bäche mit bewaldeten Ufern.

Zur Zeit sind nur fünf Orte in Lettland bekannt, in denen die Flussperlmuschel zu finden ist, deren Zahl sich in den letzten hundert Jahren auf ein Fünftel verringert hat. Lettland ist der einzige Ort, an dem die Flussperlmuschel noch in Flüssen in Ebenen zu finden ist, andernorts gibt es sie nur noch in reinen Bergbächen. Dies ist wiederum ein Beweis dafür, dass die Umwelt in Lettland noch nicht so belastet ist, wie im Großteil Europas.

Amphibien

Zu den Amphibien gehören Frösche, Kröten, Molche. Diese Tiere sind sehr häufig anzutreffen. Im Frühling kann man Froschkonzerte fast in jedem Teich hören, und den ganzen Sommer über kann man Frösche und Kröten beim Insekten- und Schneckensuchen, sowie Molche in seichteren Gewässern beim Sonnenbaden beobachten. Auch diese Tiere sind Indikatoren einer intakten Naturlandschaft.

Eine der seltensten Amphibien in Lettland ist die Feuerkröte, die im Süden des Landes vorzufinden ist. Die ausgewachsenen Tiere bevorzugen seichte, stehende Gewässer – alte Bäche und Teiche. Die Feuerkröte ist an orangeroten Flecken auf ihrem Bauch zu erkennen.

Eine sehr seltene und zu schützende Art ist die Kreuzkröte, deren Merkmal ein heller Streifen auf dem Rücken ist. In einer Naturschutzzone in Salaca, im Bezirk Limbaži, genannt Karateri, gibt es eine Kreuzkrötenkolonie von etwa 450 Tieren.

Der Laubfrosch hat eine besondere Geschichte in Lettland. Die ersten Zeugnisse von Laubfroschfunden im Gebiet um Liepaja stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, es gibt auch unüberprüfte Zeugnisse aus den siebziger und achziger Jahren des 20.Jahrhunderts. Auch in Litauen ist dieser kleine graziöse Frosch mit Saugflossen an einigen Orten vorzufinden. In den 90. Jahren wurde in Lettland die Wiedereinführung des Laubfrosches begonnen – die Frösche werden künstlich vermehrt und an angebrachten Stellen ausgesetzt.

In Übereinstimmung mit der Berner Konvention sind alle in Lettland vorzufindende Amphibienarten unter Schutz gestellt – Der Streifen- und Kammmolch, die Kreuz-, Erd- und Wechselkröte, die Feuerkröte, der Laubfrosch, die Knoblauchkröte und die fünf Froscharten – der Teich-, Moor-, See-, Gras- und der Kleine Wasserfrosch.

Reptilien

Schlangen sind seit ewigen Zeiten Symbole des Bösen und der Verschlagenheit (aber auch der Weisheit) gewesen – man erinnere sich nur an die Rolle der Schlange im biblischen Mythos der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Doch im lettischen Volksglauben aus vorchristlicher Zeit hat die Schlange auch positive Eigenschaften. Die Schlange, besonders die Ringelnatter, wurde als Hausgeist angesehen, die geschont und gefüttert wurde – unter jedem Haus sollte eine Schlange leben, und wenn diese das Haus verliess, würde das Haus in Kürze abbrennen. Schlangen sollen negative Energien aus der Erde aufnehmen, damit die Menschen ungestört leben konnten.

Überall in Lettland sind Eidechsen anzutreffen – die Blindschleiche, die Wald- und die Zauneidechse. Die Waldeidechse ist sehr verbreitet. Wenn man durch langes, ungemähtes Gras geht, kann man oft ein flinkes Tierchen durch die Gräser verschwinden sehen, das gewöhnlich eine Waldeidechse ist. Die Zauneidechse ist seltener, doch auch diese kann man an trockenen und sonnigen Stellen in Fichtenwäldern antreffen. Beide Eidechsenarten lieben es, sich auf von der Sonne erwärmten Steinen zu wärmen.

Viele Menschen fürchten sich vor Schlangen und denken, dass sie giftig sind. In Wirklichkeit lebt in Lettland nur eine giftige Schlange – die Kreuzotter. Die anderen Schlangen (wie z.B. die Ringelnatter und die Schlingnatter), sowie Eidechsen sind für den Menschen ungefährlich. Auch die Kreuzotter greift den Menschen nicht als erste an – sie braucht ihr Gift für die Nagerjagd, nicht, um unvorsichtige Touristen anzufallen. Deshalb flüchtet das Tier und versteckt sich gewöhnlich, und kann nur selten gesehen werden – sogar regelmäßige Beeren- und Pilzesammler kennen oft Schlangen nur vom Hörensagen. Die Kreuzotter lebt in Rodungen, in Mooren und Wiesen, seltener in Wäldern.

Der Schreiadler

Das Verbreitungsgebiet des Schreiadlers ist nicht besonders groß – Zentraleuropa, ein Teil von Osteuropa und Südosteuropa bis zum Iran. In Lettland nisten ungefähr 12% der Weltpopulation des Schreiadlers (ungefähr 2.400 Paare). Den Winter verbringt der Schreiadler in Afrika und kehrt Ende März, Anfang April zurück. Er nistet in alten Mischwäldern, in denen Birken, Tannen, Eschen und Schwarzerlen überwiegen. Das Nest befindet sich gewöhnlich unweit des Waldrandes im Seitengeäst oder in Verzweigungen von alten Bäumen. In einer Brutperiode wird nur ein Junges aufgezogen, obwohl oft zwei Eier gelegt werden.

Der Vogel wird etwa 1,5kg schwer und hat dunkelbraunes Gefieder. Jungvögel sind an gelben Flecken auf den Schultern und am Hinterkopf zu erkennen. Der Schreiadler ist schwer vom Schelladler zu unterscheiden, der in Lettland sehr selten ist – es nisten hier nicht mehr als fünf Paare dieser Adlerart. Der Schreiadler verbringt den Großteil des Tages auf einer Erhöhung und beobachtet die Umgebung um Jagdtiere, wie kleine Nager und Frösche zu erspähen.

Der Schwarzstorch

Der Schwarzstorch ist ein großer schwarzer Vogel mit weißer Brust. Er ist etwas kleiner als der viel häufiger anzutreffende Weißstorch. In Lettland ist er, wenn auch ungleichmäßig, doch im ganzen Territorium anzutreffen. Hier leben etwa 10% der Weltpopulation des Schwarzstorches (etwa 1.000 Paare). Er nistet in von Menschen ungestörten Gebieten, in der Nähe von alten Waldseen, Flüssen und Mooren. Für das große Nest – 1 Meter Durchmesser – werden große Bäume mit dicken Ästen gewählt – alte Fichten, Espen, Eichen, Eschen und Birken. In der Nistzeit dürfen die Vögel nicht gestört werden, weil die Jungstörche beim Anblick von Menschen versuchen können, aus dem Nest zu fliehen. Wenn die Flügel noch nicht genügend entwickelt sind, können die Jungen nicht mehr ins Nest zurückkehren und sterben. Deshalb sind um die Nistplätze Mikroschutzzonen eingerichtet, in denen das ganze Jahr über keine wirtschaftlichen Arbeiten verrichtet werden dürfen, da der Schwarzstorch sein Nest verlässt, wenn er in seiner Umgebung Veränderungen bemerkt. Zur Nistzeit sollten auch keine Waldarbeiten in der Umgebung verrichtet werden.

Der Weißstorch

Dieser große, erhabene Vogel ist bei den Letten, wie in vielen anderen Völkern, heilig – fast an jedem dritten Bauernhof nistet ein Storchenpaar, oft sind die Nistplätze speziell eingerichtet, indem ein Wagenrad oder eine andere für den Nestbau angebrachte Grundlage an der Spitze eines hohen Pfahles befestigt wird. Es gibt viele Volksglauben in Verbindung mit dem Storch – er bringt dem Hof Glück, er beschützt das Haus vor Feuer, und wenn ein Storchennest zerstört wird, brennt das Haus ab. Und, natürlich bringt der Storch die Kinder!

Der Weißstorch, im Unterschied zu seinem schwarzen Verwandten, fürchtet sich nicht vor Menschen – er stelzt oft hinter dem Mäher her und sucht nach aufgeschreckten Fröschen und Eidechsen.

Der Weißstorch lebt in einem Teil Europas und in einem kleinen Territorium in Afrika. Die Situation des Weißstorches hat sich in den letzten 50 Jahren verschlechtert. Seit 1984 sind keine Nistplätze in Belgien, der Schweiz und Schweden festgestellt worden. Im Vergleich zu 1934, hat sich die Anzahl der Nistplätze im Nordwesten Europas bis 1984 um 80%, in Zentraleuropa um 50% verringert. In Russland, Estland und Lettland hat sich die Zahl der Störche vergrößert, doch dies kann die Gesamtsituation kaum verbessern.

In Lettland nisten mehr als 10.000 Weißstorchpaare (1934 waren es um die 7.000) – auf 250 Einwohner kommt ein Storchenpaar, deshalb kann Lettland auch ein Storchenland genannt werden. An einigen Stellen leben die Störche sogar in großen Kolonien und stolzieren in Gruppen auf den umgebenden Feldern herum. Eine Kolonie mit mehr als 30 Nestern befindet sich unweit von Matisi an der Straße von Valmiera nach Mazsalaca. Hier gibt es sogar drei bis vier Nester in einem Baum. Die Störche sind nicht scheu und lassen sich gerne beobachten und fotografieren. Das nisten in Kolonien ist öfter im südlichen Areal vorzufinden, von daher sind die Kolonien in Lettland die nördlichsten bekannten Kolonien.

Das Wohlergehen der Störche ist auch ein Zeichen der Umweltqualität und der Einstellung der Menschen zur lebenden Natur und deshalb ist die große Anzahl der Störche ein weiterer Beweis dafür, dass die Natur hier weniger verschmutzt ist.

Der Wachtelkönig (Die Schnarre)

Der Wachtelkönig ist etwas größer als die Amsel. Er hat gelbbraunes Gefieder, die rotbraunen Flügel und der untere Teil des Schwanzes hat kastanienbraune Querstriche. Der Vogel ist ein flinker Läufer und versteckt sich in hohem Gras, man kann ihn also nur selten beobachten. Außerdem gibt es einen besonderen Mythos, dass der Wachtelkönig zu seinen Überwinterungsplätzen in den Mittelmeerländern und in Afrika zu Fuss läuft. Doch das stimmt nicht – der Wachtelkönig ist ein Zugvogel, er fliegt jedoch nur in der Nacht.

Der Wachtelkönig nistet in Feuchtwiesen, in hohem Gras und in Getreidefeldern, wo er eine kleine Mulde mit trockenem Gras auspolstert und 7 bis 12 Eier legt.

Den Wachtelkönig kann man öfter hören als sehen – sein charakteristischer Schrei, ein sich wiederholender “Krecks-krecks” ist auf dem Lande in Lettland oft zu hören. Es wird geschätzt, dass hier um die 26.000 – 38.000 Paare nisten.

Aufgrund der intensiven Landwirtschaft und der Umweltverschmutzung ist der Wachtelkönig an vielen anderen Orten in Europa eine Seltenheit.

Der Biber

Der Biber wohnt in den verschiedensten Gewässern - in Flüssen, Bächen, Seen, sogar in Abwassergräben. Der Biber lässt sich auch nicht von der Nähe großer Städte stören – seine Aktivitäten sind sogar in Bächen in der Gegend um Riga beobachtet worden.

Der Biber ernährt sich von der Rinde von Laubbäumen und nagt größere und kleinere Bäume ab, um an die Rinde zu kommen. Diese Bäume werden auch für den Dammbau verwendet um Teiche zu formen, die für das Leben des Bibers notwendig sind.

Biberfelle sind hochwertig, sie sind haltbar, weich und schön. Auch der Biberbraten soll sehr schmackhaft sein – er war ein beliebter Bestandteil von Festmahlen von Herrschern, und deshalb wurde der Biber seinerzeit viel gejagt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Biber völlig ausgerottet – die letzten wurden 1871 oder 1873 in dem Fluss Rauza bei Smiltene geschossen.

1927 wurden zwei Biberpaare aus Norwegen eingeführt und in dem Fluss Stende (Irbes Flussbecken) ausgesetzt. 1952 wurden mehrere Paare aus Woronesch eingeführt und Anfang der sechziger Jahre kamen Biber auch aus Weißrussland, Litauen und Russland an.

Zur Zeit leben in Lettland etwa 80.000 Biber, also kommen auf jede 10 km2 etwa sechs Biberpaare und jeder geduldige Tourist kann sie zu Gesicht bekommen. Es ist nicht bekannt, warum die Biber sich so vermehrt haben, doch nun ist die Population schon zu groß – sie versperren die Abwassergräben und kleine Flüsse und Bäche, auf ebenen Flächen werden ziemlich große Gebiete überflutet. Deshalb könnten wir Biber exportieren, wenn sich nur ein Käufer finden würde!

Der Wolf

Die Beziehung der Letten zu Wölfen ist zweideutig – alte geschichtliche Zeugnisse belegen, dass der Grauwolf sogar als Gottheit oder Diener Gottes angesehen wurde - in vielen Volksliedern wird der Wolf als Gottes Hund bezeichnet. Wölfe heulen und beten so Gott an, deshalb darf man sie nicht verspotten oder nachahmen. Es gibt viele Zaubersprüche, die vor der Begegnung mit dem Wolf schützen sollen oder den Hund Gottes überreden sollen, seiner Wege zu gehen. Doch das Christentum, die Kriege und die großen Epidemien haben die Einstellung zum Wolf verändert – es entstanden Legenden über Werwölfe – Menschen, die sich in Wölfe verwandeln können. Um zum Werwolf zu werden, muss man sich in einer Vollmondnacht nackt ausziehen und unter einer Baumwurzel durchkriechen – solche Baumwurzeln entstehen, wenn die Erde unter einem Baum weggespült oder weggeweht wird. Am Hinterteil muss man sich ein Rispengras befestigen – je buschiger das Gras, desto buschiger wird der Schwanz des Werwolfes. Um wieder zum Menschen zu werden, muss man in die entgegengesetzte Richtung unter der Baumwurzel durchkriechen, doch, wenn jemand in der Zwischenzeit die abgelegten Kleider berührt hat, bleibt der Werwolf für immer ein Wolf.

Der Wolf war anfänglich im Großteil Eurasiens und in Nordamerika zu finden, doch aus verschiedenen Gründen (die massive Ausrottung, um das Vieh und Wild zu schützen, die Vernichtung des Lebensraumes), hat sich die Zahl der Wölfe sehr verringert und an vielen Orten sind sie völlig ausgerottet worden.

In Lettland gibt es Wölfe seit der frühen Periode nach der Eiszeit. Trotz der Bemühungen der Jäger konnte man sie nie völlig ausrotten. Es gab aber Zeiten in der Geschichte, als Wölfe so gut wie nicht anzutreffen waren. Wölfe vermehrten sich in Kriegszeiten und während Epidemien, wenn möglicherweise auch verwilderte Hunde zu Wölfen gestoßen sind, mit denen sich die Wölfe kreuzen können.

1998 gab es in Lettland an die 1.000 Wölfe, also auf 65 km2 des Gesamtterritoriums oder auf 28 km2 Wald (die Wälder bedecken 44% des Landes) gab es einen Wolf. Doch im Wald muss man sich nicht vor Wölfen fürchten – dieses vorsichtige Tier geht dem Menschen aus dem Weg und einen Wolf kann man nur sehen, wenn man ihn verfolgt, oder in einem Gehege im Naturpark Lîgatne.

Der Luchs

Das Fell des Luchses hat verschiedene Schattierungen von Aschblau bis Rostrot, auch die Anzahl und Verteilung der Flecken variiert. Charakteristisch sind Haarbüschel an den Ohrspitzen. Der Luchs ist eine ziemlich große Katze - er kann bis zu 30kg wiegen, mit einer Schulterhöhe von 70cm.

Der Luchs ist in Eurasien und in den Nadelwäldern Nordamerikas verbreitet – er gehört zum Faunakomplex der Taiga. Früher gab es Luchse fast in ganz Europa, doch zur Zeit hat sich deren Territorium sehr verkleinert und aufgeteilt. In einigen Ländern Europas sind Luchse wieder eingeführt worden (Frankreich, die Schweiz und Österreich), doch sie haben nicht genug Jagdtiere und richten deshalb Schaden beim Weidevieh an. In Lettland gibt es keine Zeugnisse dafür, dass Luchse Vieh angegriffen hätten – sie haben wohl genug Hasen, Rehe, Biber, Nager und verschiedene Vögel, die die Grundnahrung des Luchses bilden.

Der Luchs ist ein Waldbewohner, aber nicht in allen Waldgebieten anzutreffen. Wie der Wolf, weicht auch der Luchs dem Menschen aus, und es gibt nur wenige, die den Luchs gesehen haben. In Lettland sind seit 1998 um die 700 Luchse gezählt worden. Er ist zur Zeit ein Jagdwild und in der letzten Zeit sind jedes Jahr um die 100 Tiere abgeschossen worden.

Der Elch

Der Elch ist der größte Vertreter der Hirscharten – ein ausgewachsener Elchbulle kann bis zu 400kg schwer sein. Der Elch sieht etwas ungelenk aus, mit einem kurzen Körper auf langen Beinen mit großen Hufen, einem großen Kopf mit krummer Nase und langer Oberlippe, im Nacken scheint er einen Buckel zu haben. Der Elchbulle trägt ein großes Schaufelgeweih. Doch der Elch kann sich schnell und flink fortbewegen, auch tiefer Schnee und Moor hindern ihn nicht. Wenn es nötig ist, kann er auch durch Flüsse und Seen schwimmen. Elche können auch ziemlich weit hinaus aufs Meer schwimmen.

Der Elch ist seit jeher im ganzen Territorium Lettlands verbreitet – archeologische Funde zeugen davon, dass der Elch gleich nach dem Ende der Eiszeit im Baltischen Territorium anzutreffen war. Die Zahl der Elche hängt von der Jagdintensität, von der Anzahl von Raubtieren und von Krankheiten ab. 1998 gab es in Lettland ca. 8.000 Elche.

Der Edelhirsch

Der Edelhirsch ist ein schönes Tier mit stolz erhobenem Kopf und großen Ohren, einem proportionellen Körper, rötlichem Fell, schwarzen Hufen und schwarzer Nase. Ein ausgewachsener Bulle kann 240kg wiegen.

Edelhirsche sind in Lettland vor ungefähr 8.000 Jahren eingewandert, doch im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung sind sie wieder verschwunden. Die heute anzutreffenden Tiere wurden im 17. Jahrhundert künstlich angesiedelt. Sie wurden anfangs in Gehegen gehalten – in sogenannten “Heidegärten”, weil man dachte, dass sie in freier Wildbahn nicht überleben können. Doch Ende des 19. Jahrhunderts sind einige Edelhirsche entlaufen und haben sich seither vermehrt. 1998 soll es etwa 20.000 Edelhirsche in Lettland gegeben haben.

Das Reh

Das Reh ist die kleinste Hirschart in Lettland – es wiegt selten mehr als 40kg, also etwa wie ein großer Hund. Sein Körper ist schlank, mit langen Beinen, kleinem Kopf und großen Ohren.

Die Verbreitung der Rehpopulation wird meistens von der Höhe der Schneedecke bestimmt – Rehe leben nur selten an Orten, wo die Schneedecke höher als 40cm wird. Deshalb ist das Leben der Rehe in Lettland im Winter beeinträchtigt, sie werden auch von Wölfen, streunenden Hunden und Wilddieben bedroht.

In Lettland lebten Rehe schon im 7. Jahrtausend v.Chr., doch sie waren seltener als andere Paarhufer. Deren Population wird, wie beim Edelhirsch und dem Elch von der Jagdintensität, von Raubtieren und Krankheiten bestimmt. 1998 gab es in Lettland ungefähr 40.000 Rehe.

Das Wildschwein

Der Körper des Wildschweines ist massiver als der des Hausschweines, er ist stärker, mit einem muskulösen Vorderteil, großem Kopf und kurzen Beinen. Die Haut ist mit schwarzen oder dunkelbraunen Borsten bedeckt, im Winter hat es ein dichtes Unterfell.

Archäologischen Funden in steinzeitlichen Menschensiedlungen nach zu urteilen, war das Wildschwein das meistgejagte Tier in der Steinzeit. Im 17. Jahrhundert verringerte sich die Anzahl der Wildschweine dramatisch, und obwohl den Bauern die Wildschweinjagd untersagt war, gab es bis zum Jahr 1900 in Lettland keine Wildschweine mehr – sie wanderten lediglich zuweilen in den Wäldern an der südlichen Grenze ein. 1911 wurden in den Gutshöfen von Zlekas und Târgale Wildschweine aus Polen eingeführt und ausgewildert. Die heutige Population von etwa 18.000 Wildschweinen bildete sich wohl hauptsächlich aus den Nachfahren dieser Wildschweine.

Der Fischotter

Der Fischotter hat einen schlanken und gelenkigen etwa 80 cm langen Körper und wiegt etwa 5 bis 10 kg. Sein Fellhaar ist kurz und dicht mit sehr weichem Unterfell und rauherem Deckhaar. Das Tier hat sich dem Leben im Wasser angepasst – es hat besondere Schließklappen zum verschließen der Ohren und der Nase beim Tauchen. Der Fischotter ernährt sich von verschiedenen Wasserbewohnern – Fischen, Fröschen, Krabben und von kleineren Lebewesen, doch er kann auch Wasservögel und kleine Nager, wie Wasserratten, erbeuten.

Die Otterpopulation hatte sich aufgrund von Wasserverschmutzung, Waldrodungen und Bodentrockenlegungen sehr verringert. In Lettland wurde der Fischotter 1977 ins Rote Buch eingetragen. Seitdem hat sich die Population in Lettland wieder stabilisiert, hauptsächlich dank dem Schutz der Tiere, sowie dem Rückgang der Wasserverschmutzung und der intensiven Landwirtschaft. Die Tendenz ist nun ansteigend – 1998 lebten hier etwa 5.000 – 6.000 Fischotter.

Pilze

Pilze sind eine geheimnisvolle, wenig erforschte Gruppe von Organismen, die ein eigenes Reich bilden, neben dem Pflanzen- und Tierreich. Es gibt neben den zu sammelnden Pilzen noch eine Vielzahl von mikroskopischen Pilzen – Hefe und Schimmel.

In Lettlands Wäldern, Wiesen und Feldern, sogar in Stadtparks kann man eine Vielfalt von Pilzen finden. Es gibt auch viele seltene und unter Schutz stehende Pilze, deren Bestand durch fehlende angebrachte Biotope bedroht ist. So ein Pilz ist zum Beispiel der Safrangelbe Porling, einer der bedrohtesten Pilze Europas, der in Lettland an mehreren Stellen zu finden ist. Dieser große grellorangene Schwammpilz benötigt sehr große Eichen mit einem Umfang von ca. 4m, die entweder noch wachsen oder auch umgefallen sein können. Auch der Leberreischling benötigt große Eichen - ein seltener Schwammpilz, dessen Aussehen und Konsistenz an frische Leber erinnert. Große Umfänge erreicht der mit dem Wurzelsystem von Eichen verbundene Maitake-Pilz, der aus vielen kleinen zusammengewachsenen Hüten besteht. Dessen Fruchtkörper kann mehr als 5kg wiegen. Der Leberreischling und der Maitake-Pilz ist sogar in der Hauptstadt Riga gefunden worden.

In Europa seltene Pilze sind oft in Lettland häufig anzutreffen – so ist zum Beispiel der in Skandinavien als selten angesehene Leuchtende Weichporling, der auf altem Tannen- und Birkenreisig wächst, in Lettland ziemlich häufig in Wäldern, die von Menschen wenig verändert wurden, zu finden.

Flechten

Flechten vertragen keine Luftverschmutzung, besonders schädigend ist für sie Schwefeldioxyd, deshalb ist die Menge und Artenvielfalt von Flechten auf älteren Baumstämmen ein sicherer Anzeiger für die Luftqualität. Wenn man alte Parkbäume in Lettlands Dörfern und Kleinstädten betrachtet, kann man fast immer Büschel von verschiedenen Flechten finden – ein Indikator für die reine Luft. Flechten wachsen auch auf dem Boden – in Fichtenwäldern kann man zwischen grünem Moos helle Stellen mit Rentiermoos und anderen büscheligen Flechtenarten finden.

Es gibt auch seltene Flechtenarten, die nicht so oft zu finden sind, weil sie noch höhere Ansprüche haben. Viele Arten sind so klein, dass man sie nur mit einer Lupe sehen kann! Besser zu sehen ist das Lungenmoos – es kann sich auf einem Baumstamm in Handgröße ausbreiten. Es wird Lungenmoos genannt, weil seine Oberfläche Mulden bildet, die an Lungenalveolen erinnern. Diese Flechtenart benötigt von Menschen wenig veränderte Laubwälder mit hoher Luftfeuchtigkeit und guter Beleuchtung. In solchen Wäldern kann man das Lungenmoos oft finden.

Farne

Der Farn spielt im Volksglauben vieler Länder eine besondere Rolle – die Tatsache, dass der Farn nicht blüht, hat die Phantasie der Menschen schon immer beschäftigt, deshalb gibt es verschiedene Legenden über die Farnblüte. Im lettischen Volksglauben blüht der Farn nur in der Johanni-Nacht, und die Blüte verleiht dem, der sie findet, großen Reichtum, Glück in der Liebe, die Fähigkeit durch geschlossene Türen zu gehen und mit den Tieren zu sprechen. Leider sind dies nur Legenden – in Wirklichkeit vermehrt sich der Farn ähnlich wie die Pilze, mit Sporen.

Obwohl es auf der Welt auch baumhohe Farnarten gibt, wachsen diese leider nicht in Lettland. Doch auch die Farne, die wir in Wäldern, schattigen Gräben, auf Sandsteinfelsen, Waldlichtungen und an Waldrändern, sowie in Gärten und Parks finden können, sind nicht weniger schön. Farne sind in Lettland ziemlich verbreitet, doch es gibt auch seltene und unter Schutz stehende Farnarten.

Eine dieser Arten ist die Einfache Mondraute, die auch in Nordamerika zu finden ist - dort ist sie größer und in einem einheitlichen Gebiet anzutreffen, doch auf unserem Kontinent ist sie selten und steht in ganz Europa unter Schutz. Auch in Lettland gibt es nur einige Stellen, an denen man diese kleine, unscheinbare, nur 3-10cm hohe Pflanze finden kann. Vorwiegend sind dies trockene Waldränder, sandige Hügel, hauptsächlich an der Küste der Rigaer Bucht. Die Mondraute entspricht nicht der üblichen Vorstellung vom Aussehen von Farnen – sie hat zweiteilige Blätter, mit einem unfruchtbaren Teil, der wie ein gewöhnliches Blatt aussieht, und einer kleinen Keule auf einem Stengel, dem fruchtbaren Teil auf dem sich die Sporen bilden.

Die Eibe

Die Eibe ist ein immergrüner Baum oder Busch, der sich im Unterholz verbirgt, ähnlich dem Wacholder. Früher wurde die Eibe auch der Deutsche Wacholder genannt, doch die Eibe ist kein naher Verwandter des Wacholders. Eiben sind sehr urtümlich – ähnliche Pflanzen gab es schon vor 200 Millionen Jahren. In Lettland, am Ufer der Letiza, einem Zufluss der Venta, wurde in 150 Millionen Jahre alten Ablagerungen ein Eibenstamm gefunden. Also ist die Eibe eine der ältesten Baumarten, doch sie stirbt heute langsam aus. Dieser Prozess wurde durch die schonungslose Abholzung, wegen dem schönen und beständigen rötlichen Holz, beschleunigt. Aus Eibenholz wurden noch Mitte des 20. Jahrhunderts teure Möbel und andere wertvolle Gegenstände angefertigt. In unserem Klima wächst die Eibe nicht höher als 12 Meter, und es wird angenommen, dass sie nicht älter als 300 Jahre wird, weil die Eibe in Lettland an die nordöstliche Grenze ihres Verbreitungsgebietes stößt. Eine Rekordeibe in Lettland befand sich am Abhang der Blauen Berge in Dundaga, die im 2. Weltkrieg abgeholzt wurde – deren Durchmesser war 46cm und ihr Alter um die 300 Jahre.

Wildwachsend ist die Eibe in Lettland selten anzutreffen, öfter im westlichen Teil und entlang der Meeresküste von Vidzeme. Die meisten Eiben gibt es im Gebiet des Nationalparks von Slitere, hier wurden sie auch künstlich gepflanzt. Es gibt auch mehrere Naturschutzzonen, wo größere Eibenansammlungen zu finden sind – Eibenwälder von Nica und Rucava in dem Bezirk Liepaja, sowie die Eibenwälder von Daiki und Dizkalni in dem Bezirk Talsi.

Orchideen

Gibt es denn in Lettland Orchideen? Es wachsen hier sogar ziemlich viele – in Lettlands Wiesen und Wäldern kann man um die 30 Angehörige der Orchideenfamilie antreffen. Die schönste Blüte hat der Gelbe Frauenschuh – diese Art wird von der Berner Konvention über den Schutz der lebenden Natur und natürlichen Lebensräumen geschützt, also ist sie eine Seltenheit in ganz Europa. Eine weitere von der Konvention geschützte und in Lettland anzutreffende Art ist der Glanzorchis.

Der Gelbe Frauenschuh wächst auf kalkhaltigem Boden in Laub-, Misch- und Tannenwäldern, an Waldrändern, im Gebüsch und auf Lichtungen. Er hat rotbraune Blüten mit einer großen gelben Lippe. Er wird in europäischen botanischen Gärten seit dem 18. Jahrhundert kultiviert. Der Glanzorchis ist nicht so prachtvoll – seine Blüten sind viel kleiner und rotgelb, doch auch diese sind richige Orchideenblüten. Auch diese Pflanze braucht kalkhaltigen Boden, sie wächst in seichten Mooren und auf Feuchtwiesen.

Fast alle Orchideenarten sind im lettischen Roten Buch eingetragen. Gründe dafür gibt es verschiedene – wegen der dekorativen Blüten ziehen die Orchideen oft Blumenpflücker an. Orchideen sind leicht zu vernichten, weil deren Samen bis zu zehn Jahre unter der Erde verbringen, und nicht keimen, bevor sie eine besondere Mikorize Pilzart antreffen, die den Keimvorgang auslösen. Vom Keimen der Samen bis zum Blühen der Pflanze können nochmals zehn Jahre vergehen!

Die Wassernuss

Die Wassernuss ist eine einjährige Pflanze, deren Wurzeln sich im Boden eines Teiches befinden, doch deren Blätterkranz auf der Wasseroberfläche schwimmt. Es gibt auch Unterwasserblätter, die sich von den schwimmenden Blättern unterscheiden – die sind faserig geteilt, die Fasern sind fein und fadenartig. Die Blüten sind klein und schwer zu erkennen, sie befinden sich in der Gabelung der schwimmenden Blätter. Zur Herbstzeit bilden sich um die 5cm lange, hornartige Nüsse, die zum Boden des Teiches sinken und im warmen Schlamm auf günstige Witterung zum Keimen warten.

In Europa gibt es Funde von Abdrücken und Früchten der Wassernuss in 55 Millionen Jahren alten Bodenablagerungen. In der warmen Periode nach der Eiszeit war das Verbreitungsgebiet der Wassernuss viel größer – man konnte sie sogar in Schweden und im Süden Finnlands vorfinden. In Lettland wurde die Wassernuss seit dem Bronzezeitalter als Nahrungsmittel verwendet, wovon archeologische Ausgrabungen zeugen. Heutzutage ist diese Art in Mitteleuropa und im südlichen Teil zu finden, die Fundorte in Lettland befinden sich hinter der Nordgrenze des Verbreitungsgebietes.

Zur Zeit sind drei Seen in Lettland bekannt, in denen die Wassernuss wächst – die Klaucanu und Priekulanu Seen in dem Bezirk Jekabpils und der Pokrates See in dem Bezirk Balvi. Alle drei Seen sind Naturschutzzonen.

Der Riesen-Schachtelhalm

Wenn man diese seltene Pflanze (es ist nur ein Fundort in Lettland bekannt am Ufer der Venta, wo der Fluss eine scharfe Biegung macht und das Ufer einen steilen rutschigen Abhang mit vielen kleinen Quellen bildet – hier wurde die Naturschutzzone von Piesdanga eingerichtet) betrachtet, ist es nicht schwer, sich die riesigen baumähnlichen Schachtelhalm- und Farnwälder vorzustellen, in denen Dinosaurier herumwanderten und von denen nur noch Steinkohleschichten zeugen. Der Riesen-Schachtelhalm kann eine Höhe von 1,6m erreichen und dessen Stammdurchschnitt ist 1,5cm! Kinder können sich in diesen Schachtelhalmen wirklich wie im Wald fühlen. Ansonsten ist diese Pflanze dem bekannten Unkraut, dem Acker-Schachtelhalm, sehr ähnlich.

In Lettland befindet sich die nördliche und nordöstliche Grenze des Verbreitungsgebietes des Riesen-Schachtelhalmes, deshalb ist er hier so selten. Er ist häufiger in wärmeren Klimazonen – im europäischen Subtropenklima und im gemäßigten Klima, in Kleinasien und Nordafrika anzutreffen.

Viele werden den Riesen-Schachtelhalm nicht zu Gesicht bekommen, denn der Zugang zur Schutzzone ist verboten. Wenn man trotzdem etwas ähnliches sehen möchte, kann man an vielen Ufern von Gewässern den Teich-Schachtelhalm, der zwar kleiner und feiner ist, aber auch eine Höhe von 1,2m erreichen kann, vorfinden.

© Text: Jolanta Bāra, Die Naturschutzverwaltung Lettlands, 2002

© Das Lettland-Institut
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