Die RussenBis zum Ende des 17. Jahrhunderts gab es in Lettland nur eine kleine Anzahl von russischen Kaufleuten, Handwerkern, Flössern und Arbeitern, welche sich in Rīga oder entlang der Handelsrouten niedergelassen hatten. Die ersten Zentren russischer Einwohner entwickelten sich in Lettland vor 300 Jahren, als sich hunderte von Altorthodoxen aus den benachbarten Regionen Russlands (Pskov, Tver, Novgorod and Smolensk) auf der Flucht vor Verfolgung im zaristischen Russland hier niederließen. Die russischen Migranten flohen vor der Unterdrückung der Grundherren und landeten in Latgale, wo sie in unbewohnten Gegenden, getrennt von den Letten, Dörfer gründeten. Als 1772 Latgale von Russland eingenommen wurde, stieg die Immigration von Russen mit orthodoxem Glauben an, besonders nach der Abschaffung der Leibeigenschaft. Die russischen Immigranten ließen sich in ländlichen Gegenden nieder, vor allem aber auch in Rīga, welches im späten 19. Jahrhundert zu einem der größten Industriezentren des zaristischen Russland anwuchs. Der größte Anteil der russischer Population Lettlands besteht jedoch aus Immigranten, die während der russischen Besatzung kamen. Bedauerlicherweise haben viele von Ihnen eine andere Ansicht über die Zukunft des Landes und wollen Lettisch nicht als die einzige Amtssprache des Landes anerkennen. Russisch ist die meistverbreiteste Minderheitensprache Lettlands und auch die meistgesprochene Fremdsprache. Vier von fünf Personen in Lettland sprechen Russisch - das ist fast so hoch wie der Anteil von Lettischsprechenden. Für ungefähr 28% der Schulkinder des Landes ist Russisch die Unterrichtssprache an über 270 staatlich finanzierten Schulen. Solche Schulen gibt es praktisch in allen Regionen und Städten Lettlands. In Lettland werden ungefähr 50 russischsprachige Lokalzeitungen publiziert mit einer jährlichen Auflage von bis zu 70 Millionen Exemplaren. Dazu werden jährlich knapp 200 Bücher auf Russisch mit einer Gesamtauflage von ca. 300.000 Exemplaren veröffentlicht. Auch einige Fernsehsender und Radiostationen senden auf Russisch. Es gibt so gut wie keine assimilierten („lettifizierten") Russen in Lettland: Alle Russen, auch die jüngere Generation, beherrschen Russisch in Wort und Schrift. Ausnahme sind einige Kinder aus gemischten Familien, welche im ländlichen Teil Kurzemes oder Vidzemes wohnen. Vor dem Krieg dominierten unter den Russen zwei Konfessionen: Die Russisch-Orthodoxen konstituierten einen Anteil von etwas mehr als der Hälfte (54%) und der Rest waren Altorthodoxe (44%). Heute, nachdem sich die russische Population durch Immigration um einiges vervielfacht hat, gibt die Mehrheit der Gläubigen an, Russisch-orthodox zu sein (80%). Nur ungefähr ein Zehntel bekräftigen, Altorthodoxe zu sein. Daneben gibt es auch römisch-katholische Kongregationen in Lettland (im südlichen Teil der Region Ludza), wo die Mehrheit vonKirchgängern sich zu den Russen zählt. Diese ungewöhnliche Situation resultiert aus der Russifizierung von ortsansässigen katholischen Letten und Weißrussen, welche ihre Muttersprache und ethnische Identität verloren haben, jedoch ihrem Glauben treu geblieben sind. Besucher aus Russland merken jedoch schnell, dass die Russen in Lettland gewisse lettische Eigenschaften übernommen haben und sich so von den Russen unterscheiden, welche in Russland selbst wohnen. Gleichermaßen denken viele Russen in Lettland, dass sie sich wegen unterschiedlichen Denkens- und Verhaltensweisen in Russland wahrscheinlich nicht zuhause fühlen würden. Russen aus Lettland werden, wenn sie nach Russland reisen oft als Fremde wahrgenommen, auch wenn sie kein Lettisch sprechen. Ein gelasseneres Verhalten, das Herrunterspielen von Emotionen und manchmal auch formelle Höflichkeit in Situationen, wo in Russland mit einem anderem Verhalten gerechnet wird, verraten, dass sie von den Letten stark geprägt wurden. Erwähnt soll auch die Kultur des Grabhütens werden, welche für die Letten so wichtig ist, dass sie von den Russen nach lettischem Vorbild übernommen wurde. Das von den Russen in Lettland gesprochene Russisch beinhaltet auch ein paar lettische Wörter und charakteristische lettische Sätze. Aber im allgemeinen wurde die Sprache hier ein bisschen konservativ und mit der Zeit könnte sie irgendwann etwas antiquiert und zu formal tönen für Russen, die in Russland selber leben. Die Juden und RomaJuden und Roma sind langansässige Minoritäten in Lettland, sie leben hier seit dem 16. Jahrhundert. Beide ethnischen Gruppen haben schrecklich unter dem zweiten Weltkrieg gelitten. Vor über vier Jahrhunderten erhielten die ersten Juden den Bürgerstatus. Vor dreihundert Jahren wurde die erste jüdische Synagoge gebaut, und vor 200 Jahren erreichten die Juden den Status dauerhafter Einwohner. Jüdische Handwerker und Händler aus der Ukraine und Weißrussland kamen in stattlicher Anzahl schon im 17. Jahrhundert nach Latgale, und Juden aus Deutschland kamen im 18. Jahrhundert nach Kurzeme und Vidzeme. Die größte Anzahl Juden emigrierte im späten 19. Jahrhundert aus westlichen Regionen des Russischen Imperiums nach Lettland, so dass zur Wende zum 20. Jahrhundert die Anzahl 142.000 betrug, in anderen Worten mehr als 7% von Lettlands Gesamtbevölkerung. Vor dem zweiten Weltkrieg schwankte die jüdische Bevölkerung zwischen 93.000 und 96.000, ungefähr 5% der Gesamtbevölkerung. Das erste Jahr der Sowjetischen Besatzung, als ein großer Anteil von Eigentum verstaatlicht wurde, wirkte sich speziell auch auf die Juden aus und viele wurden vom 14. Juni 1941an nach Sibirien deportiert. Als die deutsche Armee in Lettland eindrang, schafften es nur ungefähr 15.000 Juden in die Sowjetunion zu flüchten Die Nazis ermordeten erbarmungslos quasi alle Zurückgebliebenen und nur etwa 14.000 Juden kamen nach dem Krieg zurück nach Lettland. Während der sowjetischen Ära immigrierte eine große Anzahl von Juden aus der Ukraine, Russland und Weißrussland nach Lettland, da in Lettland der Antisemitismus weniger stark ausgeprägt war. Bis 1970 erreichte die jüdische Population in Lettland 37.000 Juden. Ein Anteil der Juden wurde die Ausreise erlaubt und ca. die Hälfte der jüdischen Population verließ Lettland während den 70er und 80er Jahre, hauptsächlich in Richtung Israel. Seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lettlands, als alle Emigrationsschranken aufgehoben wurden, hat sich die jüdische Auswanderung fortgesetzt. Heute beträgt die jüdische Population ungefähr 10.000. Die große Mehrheit davon lebt in Rīga und ist Mitglied verschiedener jüdischer Organisationen. Früher sprachen die meisten Juden Lettlands Jiddisch, vor allem in Latgale, während in Kurzeme Deutsch die meistgesprochene Sprache in jüdischen Familien war. Heutzutage beträgt die Anzahl der Jiddischsprechenden weniger als Tausend und die meisten von ihnen sind ältere Menschen. Stattdessen wird mit wenigen Ausnahmen in den meisten jüdischen Familien Russisch gesprochen. In Rīga gibt es zwei jüdische Schulen - eine staatliche Schule und eine Privatschule - welche sich auf den Unterricht auf Hebräisch konzentrieren, da dies die Amtssprache des jüdischen Staates ist. In Rīga gibt es auch eine jüdische Synagoge und verschiedene jüdische Vereine. Lettlands Juden sind die am besten gebildete ethnische Gruppe: Knapp die Hälfte sind Abgänger höherer Bildungsinstitutionen, und sie sind auch überraschend stark vertreten unter den Millionären Lettlands. Die ersten Roma trafen in Lettland vor 500 Jahren aus Deutschland und Polen kommend ein. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts behielten sie ihre traditionelle Lebensweise bei, zogen je nach Saison weiter, übten verschiedene Handwerke aus und trieben Handel mit Pferden. Bis vor dem Zweiten Weltkrieg erreichte die Population der Roma 4.000 Menschen. Im von Deutschland besetzten Lettland wurde der Lebensstil des Umherziehens verboten, und die Roma wurden als gefährliche Kriminelle dargestellt. Die Roma waren Terror ausgesetzt, durch Kollaboration von lokalen Polizisten wurden ca. 2.000 Roma in verschiedenen Distrikten Lettlands ermordet (Liepāja, Rēzekne und Ludza). Ganz im Gegensatz zu anderen Gegenden, wie Sabile, Kandava, Talsi und anderswo, wo sich die Lokalbehörden für die Roma verantwortlich fühlten und sie vor dem Tod retteten. In den Nachkriegsjahren wuchs die Bevölkerung der Roma infolge der hohen Geburtsrate stark an und erreicht heute an die 9.000. Die wahre Bevölkerungszahl könnte jedoch höher sein, da viele Roma nicht gerne ihren ethnischen Hintergrund preisgeben. Die Roma in Lettland sprechen vier verschiedene Dialekte des Romani. Der am weitesten verbreitete und unverwechselbarste ist der Kurzeme-Dialekt, welcher viele Wörter aus dem Lettischen entlehnt hat. Eine kleine Anzahl von Büchern wurde auch in diesem Dialekt publiziert, und gewisse Schulfächer werden in dieser Sprache in den wenigen Schulen mit Roma-Schulklassen unterrichtet. Viele Roma sprechen Lettisch und Russisch genau so fließend wie Romani, aber die geschriebene Sprache stellt für einige ein Problem dar. Nur die Roma in Latgale sprechen gewöhnlicherweise weniger Lettisch, während die Roma in Kurzeme oftmals mehr Mühe haben sich auf Russisch zu verständigen. Die Mehrheit der Roma halten noch immer ihre unverwechselbaren Traditionen aufrecht, wo Sippenzugehörigkeit von großer Wichtigkeit ist und die Autorität in der Hand des Familienoberhaupts liegt. Bei einer Untersuchung über die Roma in Lettland, haben Ethnologen viele interessante von den Letten entlehnte Eigenschaften entdeckt, wie zum Beispiel der fortwährende Gebrauch von lokalen lettischen Dialekten und ähnliche Eigenschaften. In Lettland gibt es einige ungewöhnliche Nachnamen, welche scheinbar ausschließlich den Roma gehören: Čīčis, Didžus, Paučs, Gindra and Pelcis, wie auch die deutschen und polnischen Nachnamen Kleins, Sīmanis, Putraševics, Marcinkevičs, Čubrevičs, Tumaševics, etc. Die Mehrheit der Roma führen einen wesentlich anderen Lebensstil als die Letten: Sie sind viel kontaktfreudiger, mögen helle Farben und tragen gerne Schmuck. Obwohl sie sprachlich und politisch die am besten integrierte Minderheit repräsentieren, erfahren die Roma auf der sozioökonomischen Ebene am meisten Probleme. Nur wenige Roma sind gut ausgebildet, und Hochschulabgänger finden sich nur äußerst selten. Das Verhältnis der Hochschulabgänger ist 20 Mal kleiner als in der Gesamtbevölkerung! Viele Roma der älteren Generation können weder lesen noch schreiben. Nur ungefähr ein Zehntel der Roma finden eine feste Anstellung, und die meisten gehören zur allerärmsten Bevölkerungsschicht und haben wenig Möglichkeiten ihre Situation zu verbessern. Positiv zu bewerten ist immerhin, dass es in keiner Stadt Lettlands ghetto-ähnliche Gebiete gibt, in denen die Roma leben; stattdessen bilden sie meist eine kleine Minderheit, die unter Letten oder Russen leben. Die Litauer und EstenDie Litauer und die Esten sind uralte Nachbarn der Letten und teilen eine ähnliche Geschichte. Paradoxerweise sprechen die Litauer und Letten nahverwandte Sprachen, während die Esten mit den Letten genetisch näher verwandt sind. Über die Jahrhunderte entsprachen die ethnischen Grenzen der baltischen Völker ungefähr den administrativen Grenzen, ansonsten wurden diese angepasst. So zum Beispiel bei den kleinen Grenzverschiebungen von 1919-1920 folgten die neuen lettisch-estnischen und die lettisch-litauischen Grenzen ziemlich klar den ethnischen Grenzen. Die litauische Migration in die Städte und Gemeinden Lettlands begann vor langer Zeit und erreicht ihren Höhepunkt zur Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts, als Lettland eine Population von ungefähr 30.000-40.0000 Litauern aufwies. Auch im Verlauf des 20.Jahrhunderts kamen tausende Litauer, um in Lettland als Bauern zu arbeiten. Während der sowjetischen Ära wanderten sie aus wirtschaftlichen und politischen Gründen ein und weil vielen der ehemals Deportierten nicht erlaubt wurde, nach Litauen zurückzukehren ließen sie sich in Lettland nieder. Von allen Minderheitengruppen sind die Litauer und die Esten die am besten in die lettische Gesellschaft integrierten: es gibt praktisch keine sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Unterschiede. Bei der Volkszählung von 2005 haben sich 33.400 Einwohner Lettlands als Litauer identifiziert, fast die Hälfte davon spricht Lettisch als Muttersprache. Ungefähr zwei Fünftel, meist Angehörige der älteren Generation, gaben an, Litauisch als Muttersprache zu sprechen. Seit über einem Jahrzehnt gibt es in Rīga ein litauisches Gymnasium und die Abgänger sprechen Lettisch genauso fließend wie Litauisch und andere Fremdsprachen. Die estnische Population Lettlands wuchs im 19. Jahrhundert und erreichte die Zehntausendermarke. Heute leben hier aber weniger als tausend Menschen, die sich als Esten bezeichnen. Die größten estnischen Gemeinschaften befinden sich in Rīga und entlang der lettisch-estnischen Grenze, hauptsächlich in der Umgebung von Alūksne und Valka. Ein estnisches Gymnasium hat sich in Rīga etabliert und entwickelt sich trotz der geringen Anzahl estnischer Schüler weiter, weil sich viele lettische Schüler von der Sprache und Kultur ihrer Nachbarn angezogen fühlen. Die Deutschen und die PolenVor knapp tausend Jahren fingen deutsche Kaufleute und Plünderer an, regelmäßige Reisen ins Gebiet des heutigen Lettlands zu machen, und im 13. Jahrhundert wurde das Land von deutschen Kreuzrittern erobert. Die Deutschen stellten die herrschende Schicht dar und behielten in großem Umfang bis ins frühe 20. Jahrhundert Kontrolle über Besitz und Macht. Die Deutschen stellten ungefähr 5-7% der Gesamtbevölkerung, aber die deutsche Sprache war quasi bis ins späte 19. Jahrhundert in allen Lebensbereichen dominierend (außer in Latgale), als sie im Rahmen der zaristischen Russifizierungspolitik stufenweise durch das Russische ersetzt wurde. Vor dem zweiten Weltkrieg hatte Lettland eine deutsche Bevölkerung von 62.000-70.000 (mit einer abnehmenden Tendenz). Obgleich die Deutschen nur 4-5% der Gesamtbevölkerung des Landes bildeten, hatten sie eine Bedeutung, die zu ihrer Anzahl unproportioniert war, besonders in der Industrie, im Handel und in der Bildung. 1940 verließen jedoch mehr als 51.000 Deutsche Lettland und wurden hauptsächlich in Gebiete umgesiedelt, die Polen weggenommen wurden. Nach Lettlands gewaltsamer Eingliederung in die Sowjetunion, verließen auch die restlichen 10.000 Deutschen Lettland, so dass nur zwischen 1.000-2.000 Deutsche übrig blieben, hauptsächlich Mitglieder aus gemischten Familien. In den Jahren der sowjetischen Herrschaft kamen einige tausend Deutsche aus den östlichen Teilen der Sowjetunion nach Lettland. Sie hatten stark unter der Russifizierungspolitik Stalins gelitten und in vielen Fällen ihre nationale Identität vollständig verloren. Heute hat Lettland eine deutsche Gemeinschaft von ca. 3.000, stark zerstreut im ganzen Land und nur 15% von ihnen sprechen immer noch ihre Muttersprache. Die Rolle der deutschen Sprache fiel drastisch während des 20. Jahrhunderts. Während in der Vergangenheit Deutschkenntnisse für jeden gebildeten Rigaer essenziell waren, spricht heute fast nur noch die ältere Generation Deutsch. Nur ein Fünftel der Schüler lernen Deutsch, normalerweise ab der 6. Klasse oder sonst erst im Gymnasium. Die Wurzeln der polnischen Minderheit in Lettland reichen direkt ins späte 16. Jahrhundert zurück, als das lettische Territorium unter die Kontrolle des Königs von Polen fiel. Die Polen spielten eine besonders bedeutende Rolle in Latgale, wo die Mehrheit der Grundstückbesitzer und Priester polnisch waren. Da es nie eine Masseneinwanderung von Polen gegeben hat, wird vermutet, dass die Mehrheit der Polen in Latgale in Wirklichkeit Letten und Weißrussen sind, welche die polnische Sprache und Kultur übernommen haben. Die Mehrheit der Polen in Latgale waren Inhaber kleiner Grundstücke, zerstreut als verhältnismäßig kleine Minorität in den Regionen von Daugavpils und Krāslava. In den dreißiger Jahren kamen ein paar zehntausend polnische Gastarbeiter nach Lettland und einige von ihnen blieben, um in den ländlichen Gebieten von Zemgale sowie Kurzeme und Vidzeme zu leben. Während des letzten Jahrhunderts betrug Lettlands polnische Bevölkerung um die 60.000 und machte 2-3% der Bevölkerung aus, was auch heute noch der Fall ist. Heute befinden sich die größten polnischen Gemeinschaften in Daugavpils (17.000) und Rīga (16.000) sowie im Bezirk Daugavpils (5.000), wo in bestimmten Gemeinden (Svente, Demene und Medumi) Polen mehr als ein Viertel der Bevölkerung stellen. Die polnische Sprache war in Ostlettland früher einmal sehr stark verbreitet, aber ihre Bedeutung ist heute stark geschrumpft. Nur ein Fünftel von den Polen Lettlands hat das Wissen über ihre Muttersprache erhalten, und die meisten davon sind Pensionäre. Fünf Städte in Lettland haben staatliche Schulen, in denen auf Polnisch unterrichtet wird, besucht von knapp tausend Schülern. In vielen katholischen Kirchen werden Gottesdienste auf Polnisch abgehalten. Die polnische Gesellschaft von Lettland hat seine Tätigkeiten wieder aufgenommen und veröffentlicht eine monatliche Zeitschrift. Die Weißrussen und die UkrainerDie Weißrussen und die Ukrainer, ethnisch eng verwandte Gruppen, bilden Lettlands zweit- und drittgrößte ethnische Minderheiten. Der Großteil der Menschen in Lettland, welche zu diesen ostslawischen Völkern gehören, hat seine Muttersprache verloren und wurde mehr oder weniger stark russifiziert. Die Mehrheit der Ukrainer und Weißrussen spricht kein Lettisch und besitzt keine lettische Staatsbürgerschaft. Weißrussen leben im süd-östlichen Lettland seit mindestens einigen Jahrhunderten. In dieser Region bilden die Weißrussen noch immer einen beachtenswerten Anteil an der Bevölkerung. In Latgale war es lange schwierig eine präzise Unterscheidung zwischen Weißrussen und Russen zu machen, denn seit dem 19. Jahrhundert war es üblich alle Russen, sogar die Altorthodoxen, die in der Provinz von Vitbesk leben, als Weißrussen zu betrachten. Nach Statistiken aus dem frühen 20. Jahrhundert scheint es, dass die weißrussische Bevölkerung um die Hälfte abgenommen hat. Vor dem Zweiten Weltkrieg bewegte sich der weißrussische Bevölkerungsanteil in einem Rahmen von 27.000-37.000, mit einer abnehmenden Tendenz. Ein Großteil von Lettlands Weißrussen sind Nachkommen von vor ein paar Jahrhunderten noch ethnischen Letten: sie haben sich nach und nach angepasst, wie man aus den uralten lettischen Ortsnamen (Kokini, Bārtuļi, Nauļāni, Krūmāni, Vonogi, etc.) und Nachnamen (Spalvis, Plociņš, Joniņš, Trušelis, Skangals, etc.) von ansässigen Weißrussen entnehmen kann, ebenso wie auch aus historischen Fakten, inklusive der Volkszählung von 1897. Da die 'weißrussifizierten' Letten später russifiziert wurden und ihre ursprüngliche Muttersprache verloren haben, entstand eine sonst unbekannte Erscheinung in diesem Teil Lettlands (insbesondere um Zilupe): eine Mehrheit von russisch sprechenden Menschen mit römisch-katholischer Konfession. Während der Sowjetzeit vervielfachte sich die weißrussische Population Lettlands aufgrund der starken Einwanderung aus Weißrussland um ein Mehrfaches bis zu einer Anzahl von 120.000 Weißrussen im Jahre 1989. Heute gibt es in Lettland ungefähr 80.000-90.000 Weißrussen, aber für viele von ihnen ist ethnische Volkszugehörigkeit eher eine Sache der ethnischen Wurzeln als der ethnischen Identität. Nur ein Fünftel der Weißrussen spricht noch ihre Muttersprache, und diese Sprache wird auch sehr selten innerhalb der Familien gesprochen, da viele Weißrussen in gemischten Familien leben, wo Russisch dominiert. Selbst in den Grenzgemeinden mit einer weißrussischen Mehrheit hört man die Sprache selten und es könnte sogar schwierig sein, jemanden zu finden, der Weißrussisch täglich spricht. Heute gibt es nur eine kleine Sprachschule für Weißrussisch in Rīga, aber es gibt mehrere kulturelle weißrussische Vereine. Ungefähr zwei Fünftel der Weißrussen Lettlands sind in Lettland geboren und fast ein Drittel sind lettische Staatsbürger. Lettlands heutige ukrainische Population beträgt 60.000, aber die meisten von ihnen sind in der Ukraine geboren und kamen erst in den letzten Jahrzehnten aufgrund der sowjetischen Migrationspolitik. Während des Zweiten Weltkriegs hat die deutsche Armee in Lettland mehrere tausend sowjetische Kriegsgefangene angesiedelt, darunter auch Ukrainer. Vor dem Krieg betrug die ukrainische Population in Lettland nur 1.000-2.000. Heute lebt die Hälfte der Ukrainer in Lettland in Rīga und der Rest verstreut über das ganze Land, hauptsächlich in den Städten mit der stärksten Repräsentation in Liepāja und Ventspils (5-6%). In Lettland sprechen ungefähr 25.000 Leute Ukrainisch, hauptsächliche jene, die vor vielen Jahrzehnten ankamen. In Rīga gibt es ein ukrainisches Gymnasium mit knapp 300 Schülern, die Abgänger sprechen fließend Ukrainisch, Lettisch und Russisch. Die meisten Ukrainer leben in gemischt ukrainisch-russischen Familien, und sogar in homogen ukrainischen Familien wird zuhause eher Russisch gesprochen. Nur ein Fünftel der Ukrainer in Lettland sind lettische Staatsbürger. Die Liven (Livländer)Man glaubt, dass die Liven respektive Livländer die einzigen Nachkommen der alten finno-ugrischen livländischen Stämme sind. Sie bilden auch die einzige eingeborene Minderheit, ihre Vorfahren haben in Lettland schon mindestens so lange gelebt, wie die Balten. Die livländische Kultur florierte vom 10. - 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit trug man schöne Kostüme, die viele Ähnlichkeiten mit den skandinavischen Kleidern hatten. Vor dem Zweiten Weltkrieg betrug die Anzahl der Liven um die Tausend, sie wohnten in 12 Fischerdörfern an der Küste des nördlichen Kurzeme. Die vielen Katastrophen und Kriege reduzierten die Bevölkerungszahl der Liven drastisch, und heute bezeichnen sich nur noch um die 170 Menschen als Livländer und die Sprache wird nur noch von wenigen von ihnen verstanden. Nur ein paar wenige Personen, die heute alle über 80 sind, können sich rühmen, livische Sprachkenntnis beibehalten zu haben. Eine kleine Zahl von Enthusiasten hat es gemeistert das Livische als Zweitsprache zu lernen, darunter Forscher aus Estland, Finnland und aus anderen Ländern. Der tägliche Sprachgebrauch des Livischen in den Familien endete schon Anfangs des 20. Jahrhunderts, aber noch vor ein paar Jahrzehnten gab es Bestrebungen von Livländern, die Sprache wiederzubeleben. Weil die livländische Population sehr klein und die Sprache so verschieden von der lettischen und den anderen indo-europäischen Sprachen ist, sind die Bemühungen jedoch gescheitert. Die livländische Sprache gehört zur finnischen Sprachgruppe der finno-ugrischen Sprachfamilie, und sie hat viele archaische Merkmale, die für die Linguistik der finno-ugrischen Sprachen signifikant sind, beibehalten. Obwohl Livisch mit anderen finnischen Sprachen verwandt ist, können weder die Esten noch die Finnen mehr als ein paar wenige Wörter verstehen. Mehrere Bücher wurden auf Livisch publiziert; es gibt einige Beschreibungen im Internet und ihre Sprache kann man auf CDs, welche von Folkloregruppen aufgenommen wurde, hören. Es sollte beachtet werden, dass ein bemerkenswerter Anteil der Letten von den Liven abstammt. Heutzutage ist Livisch eine der seltensten Sprachen der Europäischen Union, und es ist eine Sache der Ehre und eine Pflicht für Lettland, die Sprache zu erhalten und zu fördern. Es wurde von der Regierung eine spezielle Abteilung gegründet, um das kulturelle Erbe der Liven zu erhalten, zu studieren und zu fördern. Andere ethnische Gruppen.Neben den oben erwähnten Minderheiten ist Lettland Heimat für Menschen aus mehr als hundert anderen ethnischen Gruppen, die Mehrheit davon kam in den vergangenen Jahrzehnten aus verschiedenen Teilen der Sowjetunion. Unter den größten Gruppen befinden sich die Tataren (3000), die Armenier (2600), Moldawier und Rumänen (2500), Azeris (1700), Georgier (1000) und kleinere Gruppen von Chuvasen, Mordvinern, russischen Finnen, Bulgaren aus der Ukraine, Osseten, Udmurten, Karelier, Usbeken und dutzende anderer ethnischer Gruppen. Die Mehrheit von ihnen leben in gemischten Ehen, und größtenteils wurden sie schon während der Sowjetzeit russifiziert und haben so die Kenntnisse ihrer Muttersprache verloren. Während des letzten Jahrzehnts ließen sich auch Immigranten aus anderen Ländern in Lettland nieder, so dass sich kleine asiatische Gemeinschaften bildeten (Sri Lankis, Libanesen, Chinesen etc.). In den kommenden Jahrzehnten wird die Immigration auf relativ niedriger Stufe weitergehen, aber in Zukunft, wenn auf dem lettischen Arbeitsmarkt Arbeitermangel aufgrund der niedrigen Geburtsraten herrschen wird, könnte sich der Anteil der Immigration um einiges vervielfachen. _html_m41536193.gif)
* eine Person spricht oft mehr als eine Sprache
** Personen mit anderer Staatsangehörigkeit sind ehemalige Bürger der UdSSR, sie besitzen keine andere Staatsangehörigkeit ©Text: Ph.D. Ilmārs Mežs, Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen in Lettland, 2005 © Das Lettland-Institut Dieser Text wurde vom Lettland-Institut veröffentlicht. Er darf nur mit Zustimmung des Lettland-Institutes verwendet werden (außer zu lesen, von der Website vom Lettland-Institut zu drucken und zu zitieren). Das Lettland-Institut ist eine staatliche Einrichtung zur Verbreitung von Informationen über Lettland im Ausland. Es gibt Publikationen über Lettland in verschiedenen Sprachen heraus.
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