Die Entwicklung der Schifffahrt in Lettland wurde durch die günstige geographische Lage und der Vielzahl der Wasserwege begünstigt. Die Ostsee, die Rīgaer Meeresbucht, die Flüsse Daugava (Düna), Venta, Gauja und Lielupe förderten den Transithandel, der zum Anwachsen von Städten und Häfen, sowie den Schiffbau führte. Der Schiffsverkehr im Gebiet des heutigen Lettlands begann, als Menschen sich entlang der Ostseeküste und an den größten Flüssen ansiedelten. Die Ostsee versorgte die Menschen nicht nur mit Arbeit und Nahrung, sie lockte die Letten auch, ferne Länder zu entdecken und ihren Namen in der Welt bekannt zu machen.
Seefahrt in der FrühzeitDie Seefahrt blühte bereits im Zeitalter der Wikinger (800-1060). Schwedische und dänische Wikinger reisten auf ihren Raubzügen und Handelsreisen entlang der sogenannten östlichen Route („der Weg von den Wikingern zu den Griechen“) durch das heutige Gebiet Lettlands und Russlands – über die Ostsee, dann entlang der Daugava und der Dnieper bis zum Schwarzen Meer, mit Konstantinopel als Ziel. Die Kuren, Semgallen, Liven und Lettgallen haben seinerzeit mit den Wikingern gekämpft, aber auch Handel getrieben. Die Hauptartikel des Tauschhandels waren Bienenwachs, Felle, Bernstein und Silber.
Die Schiffe der Kuren und Wikinger waren ähnlich gebaut; sie segelten in den nördlichen Gewässern und in der Ostsee vom 8. bis zum 13. Jahrhundert. Sie hatten Ruder und ein viereckiges Segel aus Wolle am Mast befestigt. Das Schiff wurde mit einem Ruder gelenkt und die Stämme waren mit Holzschnitzereien verziert, meistens Abbildungen von Tierköpfen. An den angemalten Seiten waren Schilder angebracht. Mit der Entwicklung der Schifffahrt wurden Häfen für das Anlegen von Schiffen und das Verladen von Ladungen ausgebaut.
Lange vor dem Beginn der großen Seefahrten über die Ostsee, war die Fischerei in den Binnengewässern im Gebiet Lettlands, sowie entlang der Küste der Rīgaer Meeresbucht gut entwickelt. Damals wimmelten die Gewässer von Fischen, die ein wichtiges Grundnahrungsmittel der Menschen darstellten. Einer der häufigsten Fische, der heutzutage in dieser Region ausgestorben ist, war der Stör.

Schifffahrt im Mittelalter und der HansebundIm frühen 13. Jahrhundert wurde Rīga zum Handelszentrum an der Ostküste des Baltikums. Aus dem Osten, auch aus Russland, wurden entlang der Daugava Felle und Bienenwachs gebracht; Heringe, Gewürze und verschiedene Metallwaren kamen aus dem Westen über die Ostsee in Rīga an. Frachtschiffe aus dem Gebiet Lettlands wurden mit Gütern beladen, die in Europa gefragt waren – Leinen, Wachs und Korn.
Um ihre Interessen im Westen Europas zu wahren, trat Rīga Ende des 13. Jahrhunderts dem Hansebund bei und blieb Mitglied bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts.
Obwohl die Herrscher Rīgas mehrere Male wechselten – die Stadt kam unter polnische (1581-1621) und dann unter schwedische Herrschaft (1621-1710) – erweiterte sich der Hafen, da immer mehr Schiffe einliefen. Die Schiffe, die im Rīgaer Hafen registriert waren, hatten ihre eigene Flagge; die älteste heute bekannte Flagge war weiß mit einem schwarzen Kreuz; sie wurde bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts genutzt. Das 15. und 16. Jahrhundert waren das Zeitalter der großen geographischen Entdeckungen, da mit der schnellen Entwicklung der Manufaktur-Industrie die Produktion anstieg. Mit der Expansion des Handels, entwickelte sich auch der Schiffbau und die Anlegehäfen. Schiffe wurden technisch verbessert, es wurden mehrere Masten aufgestellt, die Manövrierfähigkeit wurde verbessert und das Steuerrad wurde eingeführt. Schiffe, geschmückt mit hölzernen Gallionsfiguren, wurden mit der Hilfe von Navigationsinstrumenten gesteuert. Auch in Rīga gab es kleinere Schiffswerften.
Das Herzogtum KurlandIm 17. Jahrhundert entwickelte sich der Schiffsbau im Herzogtum Kurland, besonders während der Herrschaft des Herzogs Jakob, einem Mitglied der Kettler Familie (gesetzlicher Erbe seit 1633, Herzog von 1642 bis 1682). Herzog Jakob wollte die Manufakturen und den Handel entwickeln; weniger importieren und mehr exportieren. Es wurden Schiffe gebaut und Häfen eingerichtet. In Kurland wurden sechs Schiffswerften eingerichtet; zwei von denen dienten den persönlichen Bedürfnissen des Herzogs; eine in Kuldiga (seit dem Ende des 16. Jahrhunderts) und die andere in Ventspils (seit 1638). In Ventspils wurden zur Zeit der Herrschaft von Herzog Jakob über 40 Schlachtschiffe und etwa 80 Handelsschiffe gebaut. Alles Notwendige zur Ausstattung der Schiffe wurde vor Ort angefertigt – sogar Kanonen.
Den herzöglichen Schiffen wurden lateinische, französische, holländische oder deutsche abstrakte Bezeichnungen, oder auch Menschen-, Tier- und Fischnamen wie zum Beispiel Dame, Blumentopf, Hoffnung, Krokodil, Drei Heringe, Lynn kurländische Möwe gegeben. Die meisten dieser Schiffe wurden für das Herzogtum Kurland gebaut; sie pflegten Handelskontakte nicht nur mit europäischen Ländern, sondern auch mit Amerika, Afrika und Asien (hauptsächlich Indien). Zur Zeit des Herzogs Jakob besaß Kurland zwei Kolonien: die St. Andreas Insel in Afrika, an der Mündung des Gambia-Flusses, und die Insel Tobago in Zentralamerika, südlich der Kleinen Antillen. Während des schwedisch-polnischen Krieges (1655-1660) musste die herzögliche Flotte große Verluste erleiden; damals verlor Kurland auch seine Kolonien.
Schiffsverkehr im 18. und 19. JahrhundertDie kurländische Flotte, im 17. Jahrhundert gebaut, wurde im großen Nordischen Krieg (1700-1721) völlig zerstört. Mit diesem Krieg begann die Annexion Lettlands in das Russische Imperium, die Ende des 18. Jahrhunderts zu Ende geführt wurde.
Dem großen Nordischen Krieg folgte eine längere Friedensperiode, die den Umschlag von Schiffsladungen in Lettland förderten. Nachdem Lettland unter russische Herrschaft fiel, fuhren die Schiffe, die in lettischen Häfen registriert waren, unter russischer Flagge (die blau-rot-weiße Trikolore; seit dem Ende des 19.Jahrhunderts weiß-blau-rot).
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen Dampfschiffe den Transport von Handelsgütern zu übernehmen. Der schwedische Dampfer Oskar war das erste Dampfschiff, das am 8. Juni 1830 in den Rīgaer Hafen einfuhr. Ende des 19. Jahrhunderts wurden auch Letten Eigentümer von rund 20 bis 25 Jahre alten Dampfschiffen, die im Ausland gebaut worden waren.
Der Neubau und die Reparatur von Dampfschiffen in Lettland wurde von der Eisengießerei, Maschinenfabrik und Schiffswerft Vermanis un Dēls (1832 gegründet) begonnen. Die größte Eisenschiffswerft war Lange un Dēls (1869 gegründet).
Krišjanis Valdemars, einer der führenden Repräsentanten der Bewegung der Neuen Letten rief die Einwohner der Küstendörfer dazu auf, sich zu vereinigen und Schiffseigentümer zu werden, Segelschiffe zu bauen und Schifffahrtsschulen zu gründen, damit Letten nicht nur im Baltikum, sondern auch zu anderen europäischen Häfen und zu anderen Kontinenten fahren könnten. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Blütezeit der lettischen Schifffahrt. Zu dieser Zeit wurden in Kurland und Vidzeme etwa 550 Segelschiffe gebaut. An der Rīgaer Meeresbucht entstanden die Häfen von Ainaži, Pāvilosta, Roja und Salacgrīva.
Die ersten in den Küstendörfern gebauten Segelschiffe waren Einmaster, ähnlich den Booten der an der Küste lebenden Bauern und Fischer, die für den Transport von Feuerholz und landwirtschaftlichen Produkten entlang der Küste gedacht waren.
1894 fuhren lettische Segelschiffe zu westeuropäischen Häfen: das in Ainaži gebaute Schiff Katarina überquerte die Nordsee und erreichte Gent in Belgien. Die erste transatlantische Fahrt eines lettischen Schiffes war 1870 die der dreimastigen Barkentine Georg. Atlantische Fahrten der Schiffe Austra und Pollux, unter der Leitung lettischer Kapitäne begannen 1885-1886. Im Jahre 1887 überquerte der Segler Rota den Äquator. Die Besatzung der Segelschiffe bestand hauptsächlich aus einheimischen Letten.
Seefahrer mussten die Navigation, Pilotage, das Seerecht und Fremdsprachen beherrschen. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Lettland zwei Schifffahrtsschulen – eine in Rīga und eine in Liepāja; die meisten Lehrer waren Ausländer und die Vorlesungen wurden in deutscher Sprache gehalten. K. Valdemars traf die theoretischen und praktischen Vorbereitungen für eine professionelle Marineausbildung in den Küstendörfern. 1867 erließ Russland eine Verordnung, um eine neue Art von demokratischen, gebührenfreien Marineschulen einzuführen, in denen kein Klassen- oder Wohlstandsunterschied gemacht, sowie in der Muttersprache unterrichtet wurde. Am 23. November 1864 wurde die erste Marineschule dieser Art in Ainaži eröffnet. Mit der Zeit wuchs die Zahl dieser Schulen auf 10 an. Ende des 19. Jahrhunderts hatten etwa 3.000 Kapitäne, Steuermänner und Küstenlotsen diese Schulen absolviert.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Zahl der Dampfschiffe, die in den Häfen von Rīga, Liepāja und Ventspils registriert waren fortschreitend. Die Schiffe fuhren entlang der Küste zu russischen Häfen (St.Peterburg, Archangelsk, Nikolaev, Odessa, Wladiwostok u.a.), nach Westeuropa (hauptsächlich Großbritannien), Asien und Afrika. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es zwischen Liepāja und New York eine regelmäßige Dampfschiff-Fährverbindung für Passagiere. Mit der Zunahme der Zahl, der Größe und dem Tiefgang der Schiffe mussten die lettischen Häfen und deren Anlagen ausgebaut werden. Der Umschlag in den Häfen wuchs besonders schnell nach der Entwicklung des Schienenverkehrsnetzes in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts an.

Schiffsverkehr im unabhängigen Lettland 1918-1940Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges waren 333 Schiffe in lettischen Häfen registriert; sie stellten fast die Hälfte der russischen Handelsflotte in der Ostsee dar. Der Schiffbau, große Unternehmen, gut entwickelte Häfen und ein Schienennetz verband Lettland mit dem Weltmarkt.
Der Erste Weltkrieg zerstörte Lettlands Schifffahrt. Die Häfen an der Ostsee stellten ihre Arbeit ein. Die Häfen von Rīga, Ventspils und Liepāja waren blockiert, ihre Einfahrten vermint und der Schiffsverkehr kam zum Stillstand. Während des Krieges verlor die lettische Handelsflotte neun Zehntel ihrer Schiffe und etwa 1500 Angehörige der Besatzungen im Seetransport.
Am 18. November 1918 wurde die unabhängige Republik Lettland proklamiert. Das erste Schiff, das im Dezember 1918 die rot-weiß-rote Fahne der Republik Lettland hisste, war das Dampfschiff Maiga, das zweite Schiff war Saratow, welches im Juli 1919 die provisorische lettische Regierung von Liepāja nach Rīga zurückbrachte.
Als die Unabhängigkeitskämpfe im August 1920 endeten, bestand die Handelsflotte der Republik Lettland aus 45 Schiffen.
Die Zahl der Dampfschiffe in Lettlands Handelsflotte vergrößerte sich 1923, als die Preise auf dem Weltmarkt sanken und ein Fünftel des Niveaus von 1920 erreichten. Ab 1923 bot der Staat Kredite für den Einkauf von ausländischen Schiffen, von denen die meisten schon mehrere Jahrzehnte alt waren.
Von 1923 bis 1933 wurde auch Lettlands Wirtschaft, einschließlich des Seetransports, von der Weltwirtschaftskrise getroffen.
Vor dem Zweiten Weltkrieg gingen etwa 90% des lettischen Imports und Exports durch die größten Häfen in Rīga, Liepāja und Ventspils. Fast 40% der Ladungen wurden von Schiffen aus der lettischen Handelsflotte umgeschlagen, der Rest der Schiffe waren ausländisches Eigentum. 1937 gab es 16 regelmäßige Fährverbindungen von Lettland zu verschiedenen europäischen Häfen – wie zum Beispiel Rīga-London, Rīga-Stockholm, Rīga-Bremen und Rīga-Hamburg.
Schiffe waren das Haupttransportmittel für die Hauptexportartikel Lettlands: Butter, Speck und Holzprodukte. Im Austausch dazu brachten Schiffe über die Ostsee in Lettland benötigte Produkte wie Fabrikausstattungen, Maschinen, Koks, sowie Ausgangsmaterialien für die Manufakturen und Konsumgüter.
Der aktive Schiffsverkehr zwischen den verschiedenen Küstenstädten und Regionen, sowie auf den größten befahrbaren Flüssen Lettlands, Daugava, Lielupe und Venta bestand fort.
Die Modernisierung der lettischen Schiffe begann 1939. Um die nationale Schifffahrt zu fördern, wurde die Vereinigte Schiffsreederei Lettlands gegründet; diese schaffte sich 1939 das Motorschiff Hercogs Jekabs an. Dieses Schiff war für den regelmäßigen Verkehr zwischen Rīga und den Häfen Nordamerikas gedacht. In der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen wurden in mehreren lettischen Marineschulen qualifizierte Seeleute ausgebildet: Die Krišjanis Valdemars Schule für Navigation und Schiffsingenieure, sowie die Navigationsschulen in Liepāja und in Ventspils.
Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Anfang des Krieges blieb Lettland neutral. Die lettische Regierung traf Maßnahmen, um den Seehandel fortzuführen. Sie verfügte einen Erlaß, demzufolge die Weitergabe von Informationen über die Positionen und Reiserouten von Handelsschiffen verboten war; der Name des Schiffes, Lettlands Nationalflagge und das Wort LATVIA mussten auf die Seiten der Schiffe gemalt werden.
Zum 1. Januar 1940 bestand die Handelsflotte der Republik Lettland aus 103 Schiffen mit einer Gesamtkapazität von 201,063 BRT (Bruttoregistertonnen), oder 98 BRT pro Tausend Einwohner Lettlands. Diese Zahlen sind kleiner als die der entwickelten Seemächte, zum Beispiel Großbritannien und Norwegen, doch sie sind größer als die anderer europäischen Länder, wie zum Beispiel Italien – 76; Frankreich – 70; Spanien – 38; Portugal – 35; die Sowjetunion – 8; Polen – 3 BRT pro Tausend Einwohner. In der Zeit zwischen den Weltkriegen baute Lettland eine Marineflotte auf, einschließlich eines Minensuchbootes und U-Booten.
Der Zweite Weltkrieg und fremde OkkupationAls im Juni 1940 Lettlands Okkupation begann, übernahmen die Machthaber der UdSSR die lettische Marine. Ab dem 5. August 1940 mussten alle Schiffe Lettlands, die sich in Häfen der UdSSR befanden, die lettische Flagge gegen die sowjetische Fahne eintauschen.
Am 5. Oktober 1940 verfügte der Höchste Rat der Lettischen SSR einen Erlaß, demzufolge alle Binnen- und Seeschiffsreedereien nationalisiert wurden, mit dem Ziel die lettische Marine zu übernehmen und an die Schifffahrtsorganisationen der UdSSR abzugeben. Im November und Dezember 1940 wurden alle Schiffe in der Ostsee nationalisiert. Die Nationalisierung fand in Rīga, Liepāja, Ventspils, Jelgava und Leningrad statt. Sogar Schlepper, schwimmende Kräne, Rammen, Bagger, Baggerpumpen, Frachtkähne, Motorboote und Jachten wurden nationalisiert. Acht Schiffe vor der Küste der Vereinigten Staaten verweigerten die Ausführung dieser Verordnung und behielten ihre eigenen Namen und fuhren weiterhin unter lettischer rot-weiß-roter Flagge. Auch die Besatzungen von lettischen Schiffen in Großbritannien und den Niederlanden befolgten diesen Erlaß nicht. Nur das Motorschiff Hercogs Jēkabs gehorchte dem Befehl und fuhr in die UdSSR. Am 3. Februar 1941 kam es aus Kalyao (Peru) in Wladiwostok an, wo seine Fahne, Mannschaft, der Name und der Heimathafen geändert wurden.
Seit dem Sommer 1940 war die Hauptqualifikation eines Seemannes eine “unbefleckte” Biographie. Kurz vor dem Ausbruch des Krieges zwischen der UdSSR und Deutschland wurde das leitende Marinepersonal ausgewechselt. Die ersten Abzusetzenden waren lettische Kapitäne.
Am 22. Juni 1941 wurde zwischen der UdSSR und Deutschland der Krieg erklärt. Bereits in den ersten Kriegstagen beschlagnahmte Deutschland lettische Dampfschiffe, die zu der Zeit unter sowjetischer Flagge in deutschen Häfen lagen, sowie zwei weitere, die sich in Rotterdam zur Reparatur befanden. Die Namen der Schiffe wurden geändert, deutsche Kapitäne wurden eingesetzt und die Schiffe fuhren fortan unter deutscher Flagge, aber mit der gleichen lettischen Besatzung.
Am 22.Juni 1941 versenkten deutsche Torpedoboote den Dampfer Gaisma. Am gleichen Tag erreichte der Krieg Lettland. Im Hafen von Liepāja befanden sich zwölf lettische Dampfer. Fast alle Schiffe wurden vom deutschen Militär beschlagnahmt. Die Evakuation aus dem Rīgaer Hafen begann. Die Dampfschiffe verließen den Hafen am 27. Juni, erreichten Pärnu am folgenden Tag und fuhren weiter nach Tallinn. Mehrere Dampfschiffe des einst unabhängigen Lettland sanken und erreichten nie ihr Ziel. Andere fuhren in Tallinn ein, wo ihnen Registriernummern für den Kriegstransport ausgehändigt wurden, um später in das Register der Zusatzflotte der Sowjetisch-Baltischen Marine eingetragen zu werden. Von Tallinn aus wurden die Dampfschiffe nach Leningrad evakuiert.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden alle lettischen Kriegsschiffe, die von den sowjetischen Okkupationsmächten übernommen wurden, zerstört.
Schiffahrt in Lettland nach dem Zweiten WeltkriegViele lettische Seemänner blieben nach dem Zweiten Weltkrieg aus Angst vor dem Regime Stalins im Ausland. Sogar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlitten die einstigen Besatzungsmitglieder des lettischen Marinetransports, die in ihrer Heimat geblieben waren, schwere Repressionen. Nur wenige Navigationsexperten fanden Arbeit in der Schifffahrt, meistens in der Fischereiflotte; nur die wenigsten fuhren wieder auf hoher See. Die lettischen Marineschulen wurden geschlossen.
Zwei der lettischen Dampfschiffe, die sich in den Gewässern der Vereinigten Staaten befanden, überlebten den Krieg. Deren Besitzer, die Nachkommen des Schiffsreeders F. Grauds gründeten in den Vereinigten Staaten die Schiffsreederei F. V. Grauds Shipping Co.
Die rot-weiß-rote Flagge verschwand am 8. Dezember 1948 aus den internationalen Gewässern, als der größte Dampfer des unabhängigen Lettland, Ķegums, im dichten Nebel im Golf von Biskaya Schiffbruch erlitt. Acht der Dampfschiffe, die zur Kriegszeit in Leningrad blieben, kehrten nach dem Krieg nach Lettland zurück. Da alle Seetransportmittel sich in sehr schlechtem Zustand befanden, wurde ein Teil davon sofort abgeschrieben. Beim Rückzug zerstörten die deutschen Truppen den Hafen von Rīga. Andere Häfen hatten weniger schwere Schäden erlitten.
Die wichtigste Schifffahrtsagentur nach dem Krieg war die Lettische Schiffsreederei, die Teil der Schiffahrtsorganisation der UdSSR war. Als Reparation wurden ihr Dampfschiffe aus Deutschland und benutzte Schiffe aus anderen Reedereien der UdSSR zugeteilt. Neue Schiffe ergänzten die Flotte 1958; das erste war das Motorschiff Ķemeri.
Zwischen 1960 und 1970 begann sich die lettische Schiffsflotte im Gütertransport zu spezialisieren. 1959 wurden Tanker hinzugekauft, 1963 Kühlschiffe, 1965 Gastransporter, 1971 Containerschiffe und 1975 Frachter. Motorschiffe begannen die Dampfschiffe zu ersetzen. 1983 besaß die Lettische Schiffsreederei 94 Schiffe. Deren Flotte transportierte die Exporte und Importe der UdSSR; sie spezialisierte sich in Öl- und Petroleumprodukten, Chemikalien, Flüssiggas und Trockenladungen.
Die Lettische Schiffsreederei war in drei Häfen tätig: Rīga, Ventspils und Liepāja. Der Wiederaufbau des zerstörten Rīgaer Hafens wurde bis 1950 fortgesetzt. Der Hafen wurde vergrößert und modernisiert; ein Containerhafen wurde Anfang der 80er Jahre gebaut. Der Rīgaer Hafen spezialisierte sich im Umschlag von Trockenwaren und Containerladungen.
Der Hafen von Ventspils wurde der größte Handelshafen. 1961 wurde dort eine Ölraffinerie gebaut. Rohöl wurde erst per Eisenbahntransport angeliefert, später (seit 1968) durch eine Pipeline aus Polock (Weißrussland). Ventspils wurde zum führenden Exporteur von Ölprodukten aus der UdSSR. 1977 wurde im Hafen eine Anlage für die Verarbeitung von Flüssigchemikalien erbaut. 1980 nahm ein Terminal für die Verladung von Kalisalzen (Düngemitteln) seine Arbeit auf; dies war eine der größten Anlagen ihrer Art in der Welt. Der Hafen von Ventspils spezialisierte sich im Umschlag von Ölladungen, Ölprodukten, Chemikalien, Kalisalzen und anderen Gütern.
Der Handelshafen in Liepāja war nur sehr kurze Zeit im Betrieb, da er 1951 unter die Kontrolle der sowjetischen Kriegsmarine kam. 1956 nahm die Schiffsreparaturwerft ihre Arbeit wieder auf. Von 1967 bis 1991 diente der Hafen als Basis der UdSSR für Kriegsschiffe und U-Boote des Sowjetischen Regimes. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Fischerei wieder auf. Hauptsächlich war die Fischerei auf die Küstenregionen der Ostsee begrenzt, aber 1954 wurde auch die Tiefseefischerei im Atlantik begonnen. Für diesen Zweck wurden spezielle Fischerei- und Kühlschiffe gebaut. Auch heute noch ist das Fischen eine verbreitete Tätigkeit unter den Bewohnern der Küstendörfer Lettlands, und vielerorts sind uralte Fischereitraditionen erhalten geblieben.
Alle Arten der Schiffsreparaturen wurden in Lettland in den Rīgaer Trockendockanlagen ausgeführt. Es wurden dort auch Schiffe kleinerer Tonnage gebaut.
Die Schifffahrt konnte in den Marineschulen in Rīga und Liepāja erlernt werden.

Die Schifffahrt im unabhängigen Lettland nach 19911991, nach der Erneuerung der Unabhängigkeit Lettlands, kam die Schifffahrt unter die Verwaltung der Republik Lettland. Die Lettische Schiffsreederei hatte eine Flotte von 87 Motorschiffen, einschließlich Tankern, Gasfrachtern, Kühlschiffen, Containerschiffen und Frachterfähren. Diese Schiffe transportieren Ladungen über die sieben Weltmeere. Die Tanker der Lettischen Schiffsreederei sind nach der transportierten Tonnage gerechnet an fünfter Stelle in der Welt.
Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit bemühte sich Lettland seine Marine wieder aufzubauen und zu verbessern. Die Hauptaufgabe der Marine ist der Schutz der Grenzen der lettischen territorialen Gewässer. Die Hauptaufgabe der lettischen Häfen ist der Umschlag von Transitladungen. Im Hafen von Rīga werden allgemeine Güter, Container und Ölprodukte verladen. Der Hafen von Ventspils hat den größten Umschlag Lettlands und aller Ostseehäfen. Tanker nehmen ihre Ladungen am größten Öl- und Ölproduktehafen der Ostsee auf. Der Hafen von Ventspils hat eins der größten Terminale für die Verladung von Kalisalzen, sowie den größten Terminal für den Umschlag von Flüssigchemikalien. Im Jahre 2000 nahm dort auch ein Containerterminal seine Arbeit auf.
1992 erlangte Liepāja seinen Status als wichtiger Handelshafen wieder. Das letzte russische Kriegsschiff verließ den Hafen im Juni 1994. Der Hafen von Liepāja spezialisiert sich nun auf den Umschlag von verschiedenen Trocken- und Großladungen.
Zusätzlich zu diesen drei größten Häfen hat Lettland noch sieben kleinere Häfen – Salacgrīva, Skulte, Lielupe, Engure, Mērsrags, Roja und Pāvilosta. Dies sind Fischereihäfen, die sich nach der Erneuerung der Unabhängigkeit am internationalen Schiffsverkehr beteiligen und Meerestourismus betreiben. Häfen sind nicht nur als kommerzielle Handelsgesellschaften wichtig, sondern auch als Anlegestellen für Jachten. Jedes Jahr vergrößert sich die Anzahl der in lettische Häfen einfahrenden Jachten. In Schiffsreparaturanlagen werden lettische und ausländische Schiffe repariert. Zusätzlich zu den existierenden Marineschulen, wurde 1990 die lettische Meeresakademie gegründet. Dort werden Spezialisten für die Flotte und für die Häfen ausgebildet.
Die Schifffahrt ist noch immer ein wichtiger Wirtschaftssektor in Lettland. © Text: Ilze Bernsone, Das Museum für Stadtgeschichte und Schiffahrt in Riga; Aigars Miklāvs, Das Museum für Stadtgeschichte und Schiffahrt in Riga, 2001 © Das Lettland-Institut Dieser Text wurde vom Lettland-Institut veröffentlicht. Er darf nur mit Zustimmung des Lettland-Institutes verwendet werden (außer zu lesen, von der Website vom Lettland-Institut zu drucken und zu zitieren). Das Lettland-Institut ist eine staatliche Einrichtung zur Verbreitung von Informationen über Lettland im Ausland. Es gibt Publikationen über Lettland in verschiedenen Sprachen heraus.
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